Montag, 1.November

Hiob 42, 1-6; Jesaja 55, 8. 9.

Die Wende kam, als Gott zu Hiob redete und ihm seine Schöpfermacht vor Augen stellte. Da gingen Hiob die Augen auf, wie groß Gott ist und dass dem Herrn nichts entgeht. Gott erklärte Hiob nicht, warum ihn dieses Leid getroffen hatte. Hiob erhielt keine Antwort auf der Verstandesebene. Gott offenbarte ihm stattdessen, wer er ist. Hiob war davon so überwältigt, dass er bekannte: »Ich erkenne, dass du alles kannst und kein Plan dir unausführbar ist. Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun sehe ich dich mit meinen Augen; darum widerrufe ich und will im Staub und in der Asche Buße tun.« Hier, noch mitten in der Not, sprach Hiob sich schuldig und betete Gott an. Vorher hatte er Gott angegriffen und sich ihm gegenüber leidenschaftlich verteidigt. Doch jetzt konnte er Gott mitten in der Not neu vertrauen. Er erkannte: »Ich habe unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.« Wir sind eingemauert in Raum und Zeit und haben dadurch nur ein eng begrenztes Blickfeld. Deshalb ermutigt uns Gott, ihm zu vertrauen, auch wenn wir vieles gegenwärtig nicht verstehen. Unsere Bewahrung liegt in der persönlichen Verbindung mit ihm im Gebet, durch sein Wort und seinen Geist. (Lies Joh.14,13.14.16.17; 15,7.) Hiob blieb bei Gott, letztlich, weil Gott ihn festgehalten und ihm die Augen geöffnet hatte, wie groß und vertrauenswürdig er ist. Immer wieder haben wir die erleuchteten Augen des Herzens nötig, um Jesus zu vertrauen und bei ihm zu bleiben, gerade wenn wir seine Führung nicht verstehen. »Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen« (2.Kor.5,7; lies Joh.13,7; Eph.1,17-19).

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Dienstag, 2.November

Hiob 42, 7-17; Psalm 73, 13. 14. 21-26. 28. Asaf, den Verfasser von Psalm 73, bewegten ähnliche Fragen wie Hiob (1.Chron. 16, 4. 5. 7). Die Überzeugung, zu der er gelangte, drückte er in diesem Psalm aus: »Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.« So mag auch Hiob empfunden haben, nachdem Gott zu ihm geredet hatte. Ein Ausleger schreibt dazu: »Durch die Gemeinschaft mit Gott bekommt auch das äußerlich ärmste Menschenleben einen unvergleichlichen inneren Wert, der selbst vom Tod nicht angetastet werden kann. Da schrumpft das Glück der Gottlosen zu einem trugvollen Nichts zusammen. Mit einem wahren Jubelruf wirft sich nach solchem Erlebnis der Psalmsänger aufs Neue in die Arme seines Gottes, gewiss, eine Lösung der Lebensrätsel gefunden zu haben, die alle Hilfskonstruktionen der Vernunft weit hinter sich lässt« (W. Eichrodt). Erstaunlich ist, dass Gott kurz vor dem Ende der Prüfung viermal Hiobs Freunden gegenüber von »meinem Knecht Hiob« sprach. Zweimal hatte er ihn im Anfang Satan gegenüber so genannt (1, 8; 2, 3). Er stellt den Freunden Hiob als Vorbild hin: »Ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.« Sie sollten Brandopfer für ihre Schuld darbringen, »aber mein Knecht Hiob soll für euch Fürbitte tun; denn ihn will ich erhören«. Hiob sollte als Mittler und Fürbitter vor Gott für die eintreten, die ihn mit ihren Beschuldigungen gepeinigt hatten. Das erinnert uns an Jesus, der für seine Feinde betete: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« (Luk. 23, 34). - »Und der Herr wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat.« (Lies Hes.14, 12-14.) Gott schenkte Hiob wieder Gesundheit, Gemeinschaft mit seinen Angehörigen, Kinder und doppelt so viel Besitz, wie er vorher gehabt hatte. Dazu gab er ihm noch ein langes Leben. »Der Herr hatµs gegeben, der Herr hatµs genommen«, der Herr hatµs wieder gegeben. »Der Name des Herrn sei gelobt!« (Lies Ps. 34, 20; Jak. 5, 11.)

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Mittwoch, 3.November

Römer 5,17-19; 8,18.28.29.

»Mein Gott, warum?« So lautete unsere Ausgangsfrage. Auch wenn wir in der Bibel keine Patentantworten auf die Frage nach dem Leid finden, lässt uns Gott in seinem Wort doch ein wenig hinter die Kulissen schauen. Die folgenden sieben Antworten werfen ein Licht darauf, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit: 1.Wir leben nicht mehr im Paradies, sondern jenseits von Eden. Die Folgen des Sündenfalles sind Schmerz, Krankheit, Tod. Hier liegt der tiefste Grund für alles Leiden in der Welt. Unsere Trennung von Gott und »die Schuld ist an allem schuld« (1.Mose 3, 1-19.23.24). 2. Es gibt Leid als Erziehung Gottes. Er will uns zubereiten für seine Herrlichkeit, dass wir dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet werden sollen (Hebr.12, 5-11; Offb.21,4; 22, 3-5). 3. Es gibt Leid als Gericht, als Strafe, z.B. als Israel in die Babylonische Gefangenschaft geführt und Jerusalem zerstört wurde, nachdem Gott lange durch die Propheten vorgewarnt und zur Umkehr gerufen hatte. Läuterung ist Gottes eigentliches Ziel (Jer. 2, 17. 19; 5, 19; 16, 10-15). 4. Es gibt Leid, um Gottes Herrlichkeit zu offenbaren, wie bei dem Blindgeborenen oder bei der Krankheit und dem Tod von Lazarus (Joh.9,2.3; 11,4.45). 5.Gott schickt uns Krankheit und Einschränkung als »Boten«, die uns zum guten Hirten treiben und in die Abhängigkeit von ihm führen sollen (2. Kor. 12, 7-10). 6. Manches Leiden müssen wir erfahren, dass wir andere Menschen verstehen und mit dem Trost, mit dem wir getröstet wurden, andere trösten können (2. Kor. 1, 4. 6). 7. Es gibt Leiden um des Zeugnisses von Jesus willen. So wie Jesus ausgegrenzt, verspottet, verfolgt wurde, kann es auch seinen Jüngern ergehen (Matth.5,11.12). - Durch welches Leidenslabyrinth wir auch gehen mögen, wir finden hindurch mit dem roten Faden des Vertrauens auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.

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ÜBER GOTTES GRÖSSE STAUNEN -

DIE PSALMEN DER SÖHNE KORACHS (II)

Donnerstag, 4.November

Psalm 45, 1-3; 145, 1-3.

VOLLES HERZ - ÜBERFLIESSENDER MUND Am 28. 08. 04 hatten wir angefangen, die Psalmen Korachs zu betrachten (Ps. 42-44). Wir erinnern uns: Der Stammvater der Söhne Korachs hatte einst in der Wüste gegen Mose einen Aufstand angezettelt (4.Mose 16). Die Nachkommen aber blieben dem Gott Israels treu. Eine Gruppe unter ihnen wurde vom König beauftragt, die Gottesdienste und Feste musikalisch auszustatten. Dadurch entstand neben vielen anderen Liedern auch Psalm 45. Er führt uns in den Königspalast zu einer wahrhaft königlichen Hochzeit. Aber auch dieses Liebeslied will von den »Söhnen Korachs« als ein Lehrgedicht (maskil), als eine Unterweisung verstanden werden. Denn nicht das aktuelle Fest ist die Hauptsache. Es ist nur das Abbild eines Festes, das einmal im Himmel stattfinden wird: Offenbarung 19, 7-9. Wir haben in Psalm 45 einen Messiaspsalm zu sehen, der auf Christus und seine Gemeinde hinweist. »Es sprudelt mein Herz feine Rede«, heißt es wörtlich. Wir kennen die sprudelnde Quelle, aus der kristallklares, reines Wasser fließt. So rein und klar wollen die guten Worte dieses Psalms gesehen werden. Diese Worte sprudeln aus dem Herzen des Dichters, dessen Inneres auf den himmlischen König gerichtet ist. (Lies Ps. 96, 1-13.) Das »volle Herz« kann nicht schweigen. Es muss reden, es muss das Geschaute in Worte fassen und aussprechen. »Der Drang, sich so zu äußern, wie es der Psalmist hier tut, ist das typische Kennzeichen für einen Menschen, den Gott angerührt hat« (D. Schneider). Das bringt uns zum Nach- denken in Bezug auf den »Inhalt« unseres Herzens. In irgendeiner Weise findet dieser Inhalt durch unsere Worte seinen Ausdruck. Ob man an dem, was wir reden, erkennen kann, dass Jesus Christus uns erfüllt? Drängt uns die Liebe zu ihm dazu, ihn zu loben und anzubeten? Dazu 1. Johannes 3, 1-3.

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Freitag, 5.November

Psalm 45, 3-9; Johannes 1, 14.

AUFSEHEN AUF JESUS Mit großem Staunen betrachtet der Psalmsänger den König: »Du bist der Schönste unter den Menschen.« Sieht er schon, dass die Herrlichkeit des himmlischen Königs die Pracht des irdischen bei weitem übertrifft? - In einem Lied singen wir: »Schönster Herr Jesus, Herrscher aller Herren . . . Alle die Schönheit Himmels und der Erden ist verfasst in dir allein. Nichts soll mir werden lieber auf Erden als du, der schönste Jesus mein« (Münster 1677). »Letztlich ist Schönheit die vollkommene Übereinstimmung mit dem Willen Gottes« (D.Schneider). Das hat Jesus uns vorgelebt. (Lies Joh. 8,28; 5,19.30.) »Voller Huld sind deine Lippen.« Hier ist das Reden des Königs angesprochen. Denn ein schönes Äußeres und lieblose Worte passen nicht zusammen. Die Glaubwürdigkeit und Autorität gingen verloren, wenn von dem König trügerische Worte zu hören wären. Jesus steht auch in diesem Punkt als der Vollkommene vor uns. Sogar seine Feinde mussten es zugeben. »Alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über dieWorte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen« (Luk. 4, 14-22). Himmel und Erde werden vergehen, aber die Worte des Herrn Jesus Christus werden nicht erlöschen. Sie sind absolut zuverlässig und ewig gültig. »Gürte dein Schwert an die Seite, du Held.« Jesus trug nie eine Waffe - und doch benutzt er ein Schwert: das Wort Gottes. Es ist zweischneidig, denn es unterscheidet haarscharf zwischen Lüge und Wahrheit. (Lies Hebr. 4, 12; Offb. 1, 16; 2, 12. 16; 19, 15. 21.) Wir sollen auch ein Schwert tragen. Es gehört zur geistlichen Ausstattung des Christen: Epheser 6, 14-17. Wir brauchen »das Schwert des Geistes«, um in der Sintflut der Worte nicht unterzugehen, die uns täglich anstürmt, von unserem Ziel ablenkt und uns mit ihren Wellen die Sicht auf unseren Herrn Jesus versperren will (vgl.Matth.14,29.30).

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Samstag, 6.November

Psalm 45, 5-9; Hebräer 1, 7-9.

Was der Psalmsänger offenkundig dem irdischen König als Segenswunsch darbringt (V. 4-7), führt ihn in seinem Herzen dazu, den himmlischen König zu schauen: »Gott, dein Thron bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reiches ist ein gerechtes Zepter . . . Darum hat dich der Herr, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen.« Herrlich und mächtig, als Sieger erhaben über alle Feinde Gottes, regiert der messianische König mit Sanftmut in Wahrheit und Gerechtigkeit über sein Volk. Er ist der Friedefürst, der wahren Frieden bringt, wie ihn die Völker trotz aller ihrer Bemühungen nicht schaffen können. Wie sehr wünschen wir uns - wenn wir die Tagesnachrichten von Krieg und Terror hören -, dass Jesus seine Herrschaft in dieser Welt schon sichtbar angetreten hätte. Noch hat es den Anschein, als triumphiere der Widersacher Gottes auf allen Ebenen. Noch sind wir Wartende, die dem Wiederkommen des Herrn Jesus Christus in seiner Herrschaft entgegenhoffen. Er wird uns nicht enttäuschen: »Deine Augen werden den König sehen in seiner Schönheit« (Jes.33,17). Seine Kleider verbreiten Wohlgeruch (V. 9 im Tagestext); er ist umgeben von herrlicher Musik. Das sind keine frommen Wunschträume. Das wurde schon gehört und geschaut, z.B. vom Apostel Paulus, der allerdings nur sehr verhalten von seinem Einblick ins Himmlische berichtet: 2. Korinther 12, 2-4 (vgl. Offb. 14, 1-3). Auch der »gute Geruch« hat seine Bestimmung im Himmel. Wenn dieser vom König ausgeht und zu Gottes Thron aufsteigt, bedeutet es die volle Anerkennung durch Gott. Auch von uns soll ein Wohlgeruch ausgehen. Unsere Gebete werden im Himmel in einen Wohlgeruch vor Gottes Thron verwandelt - wie einst die dargebrachten Opfer im Alten Bund. Unser ganzes Leben soll für Gott ein Wohlgeruch sein. (Lies 2.Mose 30, 7; Ps. 141, 2; Offb. 5, 8; Eph.5,1.2; Phil. 4, 17. 18; 2.Kor. 2, 14-16.) Wer in diesem Sinn »gut riecht«, über den freut sich der Himmel.

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Sonntag, 7.November

Psalm 45, 10-16.

DIE HERRLICHKEIT DER GEMEINDE »Königstöchter stehen da, mit deinen Kostbarkeiten geschmückt; die Königin steht zu deiner Rechten in Gold von Ofir.« Wer sind die Königstöchter? Damit könnten ursprünglich Delegationen aus dem Ausland gemeint sein, die zur Hochzeit geladen waren. »Es war üblich, dass die Metropolen des Orients Tochter genannt wurden« (D.Schneider). Es ist auffallend, dass diese »Töchter« nicht ihren eigenen Schmuck tragen, sondern den des Königs. Neben ihm steht die Braut, die Königin, Abglanz seiner Herrlichkeit. Alle stehen sie in seinem Licht, beschenkt mit seinen königlichen Kostbarkeiten. »Psalm 45 zeigt auf Christus und seine Gemeinde. Diese Gemeinde der Zukunft ist schön, denn sie ist versöhnt, gewaschen und geschmückt« (F. Delitzsch). Zu den Königstöchtern (den Nationen) wird gesagt: »Höre, Tochter, und sieh und neige dein Ohr: Vergiss dein Volk und dein Vaterhaus« (V. 11). Irdische »Königshäuser« bleiben nicht für immer bestehen. Sie erreichen nicht den Glanz wie das neue Jerusalem (Offb. 21, 9-27). Bleibendes Wohnrecht gibt es nur dort. Das himmlische Königshaus hat viele Wohnungen. Wer an Jesus Christus glaubt, darf dort einziehen, er sei aus Israel oder aus den Völkern. »Man führt sie hin mit Freude und Jubel: sie ziehen ein in den Palast des Königs« (V. 16). Ob Judas (der »Herrenbruder«) an dieses Psalmwort dachte, als er seinen Brief mit diesen Worten beendete: Judas 24.25? Wir dürfen die Verse 11. 12 auch für unser ganz persönliches Leben mit Jesus verstehen. Sie mahnen uns: Besinne dich, wohin du gehörst. Denke darüber nach, wer in deinem Leben und in deinem Herzen das erste und das letzte Wort hat. Schaue nicht zurück, wenn du einmal »deine Hand an den Pflug gelegt« hast. Sei wachsam, sei bereit, wenn der Herr dich ruft. Höre nur auf ihn und tue, was er dir gesagt hat.

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Montag, 8.November

Psalm 45, 17. 18.

SEINE HERRSCHAFT HAT KEIN ENDE »An die Stelle deiner Väter werden deine Söhne treten.« Der Psalmist sagt dem König damit, dass er der unangefochtene Herrscher auf dem Thron ist. Schon seine Vorfahren haben in seinem Geist gehandelt. Erst recht nun die »Söhne«. Durch sie wird sich seine Herrschaft über die Grenzen Israels hinaus in aller Welt ausbreiten. In seinem Sinn und nach seiner Art werden sie das Anliegen des Königs vertreten. »Ich will deinen Namen bekannt machen durch alle Gene- rationen« (V. 18). Im alten Israel sorgte Gott dafür, dass sein Name durch seine machtvollen Wunder, die er für sein Volk tat, unter den Völkern bekannt wurde. (Lies 2.Mose 9, 16; 14, 4; Jos. 2, 8-11.) Über Jahrhunderte hin trugen die Propheten die brennende Fackel der göttlichen Botschaft weiter, bis dann die Apostel, von Jesus persönlich dazu berufen, ihr Leben dafür einsetzten, dass der Name Gottes unter den Völkern im Mittelmeerraum bekannt und anerkannt wurde. Damit nicht genug: durch die unzähligen Gemeinden, die durch den Dienst der Apostel entstanden waren, breitete sich die Gottesherrschaft weiter aus. Sie sandten ihre Boten mit dem Evangelium in alle Welt - und diese Arbeit ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Wenn wir es mit einem Blick sehen könnten, wie zu jeder Tages- und Nachtzeit in unzähligen Ländern in den verschiedensten Sprachen aus tiefsten Nöten oder mit Dankbarkeit der Name Gottes angerufen und gepriesen wird! Weil von dem ewigen Thron Gottes aus das Heil zu den Nationen gebracht wurde - und noch wird, »darum werden die Völker dir danken immer und ewig«. Noch sind wir nicht so weit, dass »aus allen Nationen, Völkern und Sprachen« das Gotteslob zum Himmel aufsteigt. Wie lange wird es noch dauern, bis Offenbarung 15, 4 erfüllt ist? (Lies Ps. 67, 4-6; Röm.15,10-13.)

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Dienstag, 9.November

Psalm 46, 1-6; Sprüche 18, 10.

EINE ZUFLUCHT IN DER NOT »Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand in Nöten reichlich gefunden.« Dieses Bekenntnis ist nicht aus der Luft gegriffen. Es wurde und wird erlebt, ist begründet in der Größe und Erhabenheit Gottes über alle Mächte der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Der Größte neigt sich zu dem Kleinsten, der ihn um Hilfe bittet, gewährt diesem Schutz und lässt ihn angesichts der Bedrohungen zuversichtlich sein. »Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde erbebt und die Berge mitten ins Meer wanken« (V. 3). Selbst tosende und brausende Wasser können nicht schrecken (V.4). Starke Worte? Der Psalmbeter hatte den Schutzraum, den er besingt, direkt vor sich: die Stadt Jerusalem, und in ihrer Mitte den Tempel Gottes. Hier fühlte er sich sicher und geborgen wie in Abrahams Schoß. Er war sich dessen gewiss: Gott selbst ist hier drinnen, jeden Morgen neu (V. 6). Was gab es da zu befürchten? Wir haben weder Stadt noch Tempel in dieser Welt, auf die wir uns verlassen könnten. Das augenscheinliche Symbol ist uns weder Hilfe noch Schutz. Die Betrachtung der Stadt und des Tempels weist uns aber hin auf einen höheren Weg der Hilfe und Bewahrung: Gott ist in unserem Herzen, bei uns drinnen, in Jesus Christus durch den Heiligen Geist. Wir schauen nicht auf das Sichtbare, denn es ist vergänglich. Das Unsichtbare aber bleibt in Ewigkeit und gibt uns ewigen Halt und bleibende Hoffnung (2. Kor. 4, 17. 18). Gibt es da etwas zu befürchten? Gott selbst hält unser Leben mit seinen Händen umschlossen und hat in uns Wohnung genommen. (Lies Ps. 139, 1-10; Joh. 14, 23; 10, 27-30.) So sicher sind wir - durch vertrauenden Glauben an Jesus. Er hat uns sein Wort gegeben. Seine Zusicherung, uns festzuhalten, richtet uns in unserer Unsicherheit und in unserem Mangel an Geborgenheit auf.

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Mittwoch, 10.November

Psalm 46, 2; 28, 7-9.

In unserem Psalm wird indirekt noch ein weiterer Mangel angesprochen: unsere »schwache« Kraft, in den Nöten, die uns getroffen haben, standzu- halten. Wohl ist uns von höchster Instanz Hilfe und Beistand zugesprochen. Wir wissen es. Aber holen wir diese Hilfe auch ab? Sagen wir: »Herr, wer ist wie du? Der du den Elenden rettest vor dem Stärkeren« (Ps. 35, 10). »Lasst uns (doch) mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe« (Hebr. 4,16)! Eine Familie geht in einem Park spazieren. Die Kinder springen hin und her. Plötzlich stolpert das Jüngste und schlägt sich die Knie auf. Weinend schaut es sich Hilfe suchend um und sucht - selbstverständlich und ohne Überlegungen - die Mutter. Dort ist jetzt der Ort des Trostes und der Hilfe. Damit sind wir völlig einverstanden. Aber wie ist es, wenn wir selbst betroffen sind? Wir befinden uns in einer schwierigen Lage, sind hilflos, erschrocken und wissen nicht, was wir tun sollen. Was nun? Wir sind erwachsen. Wir wollen uns auch so verhalten. Deshalb straffen wir unsere Glieder und bewahren Haltung. Sind wir nicht stark und überlegen? Haben wir nicht auch Erfahrung und einen Verstand? Vielleicht dazu gute Beziehungen, einflussreiche Leute, die uns aus der Patsche helfen können? Unser Stolz wird uns alles Mögliche versuchen lassen, uns selber zu helfen. Ist dieses Verhalten denn nicht ganz normal und führt oft zum Erfolg? - Es geht um unsere Stellung, die wir vor Gott in der Not einnehmen. Können wir vor ihm zugeben, dass wir schwach sind, unfähig, hilflos, und dass wir ihn jetzt ganz dringend brauchen? Die Bitte um Hilfe als Ausdruck eigenen Unvermögens fällt uns schwerer, als wir denken. (Lies Ps. 130, 1-4; Matth. 20, 32; Joh. 16, 23. 24.)

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Donnerstag, 11.November

Psalm 46, 7-12.

WER IST DER GRÖSSTE? Obwohl sein Herz für Jerusalem schlägt und er von der Hoheit des Tempels ganz eingenommen ist, verliert der Psalmbeter nicht den Blick für die Welt. Aber was muss er jenseits der Grenzen sehen? Tobende Völker, wankende Königreiche (so im Urtext). Ein Meer der Unruhe. Und mittendrin der erhabene Berg Zion wie ein Fels in der Brandung. Nicht aus eigenem Vermögen, sondern aus der Kraft Gottes bekennt der Beter: »Der Herr der Heerscharen (Zebaoth) ist mit uns. Der Gott Jakobs ist unser Schutz« (V. 8). Der Herr, stark und mächtig, steht über allem Aufruhr und bremst die Angriffslust der Feinde, dass sie das Volk Gottes nicht überwinden können. - Die »Pforten der Hölle« werden auch die Gemeinde des Christus nicht überwältigen (Matth. 16, 18b). »In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden« (Joh. 16, 33). Dieses Jesus-Wort gibt uns Mut weiterzugehen, auch wenn die Nöte mit Händen zu greifen sind. Wie sollen wir aber Vers 9 in unserem Tagestext verstehen: »Kommt und schaut die Werke des Herrn, der auf Erden solch ein Zerstören (Entsetzen) anrichtet«? Gottes Handeln kann nicht hinterfragt werden. Er kennt keine Willkür. (Lies Hiob 2, 10; Röm. 9, 14. 15. 18-20.) Bedenken wir, dass sein Gericht zur Rettung führen will, wenn er in das Geschehen auf der Erde eingreift (V.10)? »Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.« Jedes Streben nach Macht und Einfluss, um andere zu beherrschen, wird in Konkurrenz zu Gottes Machtanspruch getan. »Lasst ab davon«, mahnt der Psalmbeter. Denn nur Einer ist der Höchste und Mächtigste. Was Menschen guten Willens nicht zuwege bringen, tut er, wenn die Zeit dazu reif ist: Abrüstung. Unsere privaten »Arsenale« aber, die wir in unseren persönlichen Kleinkriegen einsetzen, können wir jetzt schon abrüsten im Aufblick zu dem, der gesagt hat: Ich will der Höchste sein - unter euch und unter den Völkern.

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Freitag, 12.November

Psalm 47, 2-10.

LOBSINGET! »Schlagt froh in die Hände, ihr Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall.« Muss uns bei dieser Aufforderung nicht das Herz weit werden, den Herrn, den allerhöchsten König, zu loben und mit Liedern zu besingen? Wer kann da stumm bleiben bei dem Gedanken an seine Siege über alle Macht des Feindes, an seine unbegrenzte Herrschaft und an seine überragenden Werke? Oder meinen wir, es sei noch zu früh dazu und zu voreilig? Denn wir erleben es ja täglich, wie Böses triumphiert. Doch gerade deshalb ist es so wichtig, dem zu singen, der das letzte Wort in dieser Welt hat - und das ist ein gutes Wort: »Siehe, ich mache alles neu« (Offb.21, 5)! Mit prophetischem Blick schauen die Söhne Korachs die Vollendung der Herrschaft des Gottes Israels. Sie schließt alle Völker, die ganze Welt, mit ein. Was kann man anderes tun als zu lobsingen? Es ist in unserer Zeit immer wieder von einer neuen Weltordnung die Rede, von einer Weltherrschaft, die einen weltweiten Frieden und gerechte Güterverteilung garantieren soll. Dieser Psalm sagt uns mit Jubel, dass Gott seine Weltherrschaft durch Umwälzungen und Katastrophen erweisen wird. Diese Herrschaft hält, was sie verspricht. - Es ist erstaunlich, dass die Völker, die Nationen, die im Gegensatz zum Volk Israel stehen, zur Lobesgemeinschaft gehören. Aus der Sicht des damaligen Israel kannten sie den lebendigen Gott nicht, ja, sie bekämpften ihn. Das muss man leider auch heute sagen: Menschen in Machtpositionen ignorieren den ewigen König in der irrigen Annahme, es gäbe ihn nicht. Aber gerade die Gottesverächter werden ihre Knie und Häupter vor ihm beugen müssen und seine Herrschaft anerkennen. (Vgl. Jes. 45, 23. 24; Röm. 14, 11; Phil. 2, 9-11; Offb. 5, 13.) Alle, die Gott lieben, freuen sich, wenn ihm alle Ehre gegeben wird. Schlagt fröhlich in die Hände und jauchzet!

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Samstag, 13.November

Psalm 47, 4. 5; 5.Mose 32, 8. 9.

BEUGT EUCH! Von Israel wurde es nicht anders erwartet, als dass es seinen Herrn lobt und ihm zujauchzt. Denn Gott hatte allein dieses Volk aus allen Völkern erwählt, um sich ihm zu offenbaren. Für die Völker ist es nicht selbstverständlich, dass sie Gott als ihren König preisen. Sie müssen erst dazu gebracht werden. Sie müssen erst erkennen, dass der Gott Israels tatsächlich zu fürchten ist. Nun soll aus dieser Furcht heraus der himmlische König freudig gelobt werden? Heißt es doch: »Er beugt die Völker unter uns«, d.h. unter das Gottesvolk Israel (V. 4). (Lies 5.Mose 4, 37. 38.) So geschah es bei der Landverteilung unter Josua, als die Israeliten das heidnische Kanaan in Besitz nahmen. Daran dachten die Söhne Korachs, als sie diesen Psalm dichteten. Aber sie schauten auch weit in die Zukunft und sahen die Völker vereint mit dem Volk des Gottes Abrahams, wie sie dem König aller Könige ihre uneingeschränkte Anbetung darbringen (V.9.10 in unserem Psalm). »Sich vor dem schrecklich-heiligen Gott zu beugen, ist die Quelle der wahren Freude« (D.Schneider). »Der letzte Sieg Jahwes besteht nicht in blutiger Unterwerfung und dumpfer Bestürzung, sondern in Umstimmung der Völkerherzen zu freudiger Anbetung« (F. Delitzsch). - Hat Gott uns schon so umstimmen können, dass es uns ein Bedürfnis ist, ihn anzubeten? »Wessen Herz voll ist, dessen Mund fließt über.« In den Versen sieben und acht lesen wir fünfmal die Aufforderung: lobsinget! »Denn wer singt, lobt doppelt, weil das Singen die Intensivform des Sprechens ist« (D.Schneider). »Singt unserem Gott!« (Lies Ps. 30,5.6; 68, 5-7.) »Singet fröhlich unserem Gott, der unsere Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs« (Ps.81, 2)! - Es gilt auch für uns, dass die Freude an Gott, die uns zum Jubeln bringt, aus der Buße und Beugung des Herzens kommt.

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Sonntag, 14.November

Psalm 48, 2-15.

JERUSALEM, DIE STADT UNSERES GOTTES Sie ist nicht wegzudenken aus der Geschichte Gottes mit Israel und der Welt. David, Vorläufer des messianischen Königs, eroberte sie und machte sie zu seiner Hauptstadt. Damit begründete er die Königsherrschaft, von der es heißt, dass sie ewig währt (2. Sam. 7, 12-14a). Das Herzstück Jerusalems ist der Tempel, in dem jährlich die großen Feste gefeiert wurden, zu denen die Israeliten hinaufzogen, um daran teilzunehmen. Auch für Jesus hatte die Stadt eine Bedeutung. Als Zwölfjährigen fand man ihn nach dem Passafest im Tempel unter den jüdischen Lehrern sitzen. Damals schon bewunderte man seine Weisheit. Den Tempel nannte er »seines Vaters Haus« (Luk.2,46-49). Man kann nicht über Jesus reden, ohne Jerusalem zu erwähnen. Es ist der Ort seiner Passion. Unter dem Jubel seiner Jünger zog er zum Passafest auf einem geliehenen Esel offiziell in die Stadt ein. Einige Tage später schleppte er den Querbalken seines Kreuzes zur Hinrichtungsstätte draußen vor der Stadt. Am dritten Tag war das Grab leer. Jerusalem wurde Zeuge seines Sieges über den Tod. Diese Stadt, über die Jesus vor seinem Leidensweg weinen musste, weil sie das untreue Israel verkörperte, hatte nicht erkannt, was ihr zum Frieden dient - bis heute nicht. (LiesMatth.23,37-39.) In unseren Tagen ist Jerusalem zu einem Zankapfel der Völker geworden, zum Pulverfass für die ganze Welt (Sach.12,2). Jerusalemist nicht wegzudenken, wenn wir die Bibel lesen. Immer wieder stoßen wir auf diesen Namen bis zum letzten Buch, der Offenbarung. Dort ist allerdings nicht mehr von dem irdischen Jerusalem die Rede. Wenn wir einmal in der Ewigkeit angekommen sind und in dem himmlischen Jerusalem »umhergehen«, wird unser Staunen, unser Rühmen über die Herrlichkeit dieser Stadt bei weitem das Rühmen der Söhne Korachs in Psalm 48 übertreffen (Offb.21, 9-26).

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Montag, 15.November

Psalm 48,2; Jesaja 2,3.

DER AUFTRAG »Groß ist der Herr und hoch zu rühmen in der Stadt unseres Gottes.« Der Dichter dieses Psalms weiß, dass die Schönheit Jerusalems nicht in ihr selbst besteht. Sie ist schön, weil Gott sich mit ihr verbunden hat. So ist es mit allen Dingen. Auch wir sind nur dann in den Augen Gottes schön, wenn er in uns wohnt. Jesus wird seine Gemeinde mit Freude betrachten, wenn sie einmal vollendet in weißen Kleidern vor ihm steht. Die Anwesenheit Gottes im Allerheiligsten des Tempels macht den ganzen Berg Zion so begehrenswert. »Zion« steht für Jerusalem und auch für das Volk Israel als Ganzes. Zion ist der Augapfel Gottes. »Von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.« In Zion entstand die erste Gemeinde. Von dort aus machten sich die ersten Missionare auf den Weg. »Ihr werdet Kraft empfangen, und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in Judäa und Samaria bis an das Ende der Erde« (Apg.1, 8). Groß ist der Herr, dass er auf diesem Weg den Segen Abrahams in die ganze Welt »transportierte« (1.Mose 12,2.3; Joh. 4,22). Philippus war einer der sieben Diakone in der Jerusalemer Gemeinde. Mit der ersten Christenverfolgung mussten viele Gläubige fluchtartig die Stadt verlassen, auch Philippus. Die Flüchtlinge versteckten sich nicht in Höhlen. Sie ergriffen die Gelegenheit und verbreiteten die gute Nachricht von Jesus überall dort, wohin sie kamen. Philippus evangelisierte in Samaria. Die frommen Juden vermieden jeden Kontakt mit Samaritanern. Der ehemalige Diakon aus Jerusalem verkündete ihnen die Botschaft des Heils. Wie groß ist Gott, dass er unvermutet Türen und Menschenherzen öffnet, um dort Wohnung zu nehmen, und seinen Ruhm überall da ausbreitet, wo er es will. (Lies Apg. 8, 1-8.)

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Dienstag, 16.November

Psalm 48,10; 103, 8.

GOTT IST GNÄDIG »Wir haben nachgedacht, o Gott, über deine Gnade im Innern deines Tempels.« »Der Psalmbeter weiß um die Notwendigkeit, im Trubel der Tage - auch der Festtage - innezuhalten und sich der Güte und Gnade Gottes in der Stille neu bewusst zu werden und zu bekennen: »Wie köstlich ist deine Güte, o Gott« (Ps. 36, 8). Wie gut ist es, dort zu sein, wo du bist! »Die Menschen, unter denen der Herr wohnt, sind bevorzugte Menschen« (Spurgeon). Sie suchen die Gemeinschaft mit ihm, sie wollen in seiner Nähe sein und über seine Gnade nachdenken. »Geheiligte Menschen sind nachdenkliche Menschen. Sie lassen Gottes Wunder nicht einfach an ihren Augen vorüberziehen, sondern denken darüber nach, was sie mit Gott erlebt haben« (Spurgeon). Das Ergebnis dieses Nachdenkens wird Anbetung und Freude sein: »Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm . . . Dessen freue sich der Berg Zion« (V.11.12). »Durch Gnade bin ich, was ich bin«, bekannte der Apostel Paulus, als er über das Wunder der Auferstehung von Jesus nachdachte (1. Kor. 15, 10). Der Herr war auch ihm begegnet, obwohl er einst ein erbitterter Feind der Gemeinde war. Das konnte und wollte er nicht vergessen. Er war ein Begnadigter. Wenn wir über unser Leben mit Gott nachdenken - können wir zu einem anderen Ergebnis kommen als dem, dass auch wir von der Gnade Gottes »gefunden« wurden? Wir haben nichts zu unserer Begnadigung beigetragen. Dafür starb Jesus am Kreuz. Allein dieses Opfer konnte Gott als Sühnung für unsere Sünden anerkennen. Durch den Tod von Jesus an unserer statt wurde der Schuldspruch gegen uns annulliert. Durch Gnade bin ich, was ich bin - und bleibe ich, was ich bin. (Lies Eph. 1, 7; 2, 8. 9; Röm. 3, 23. 24; Hebr. 4, 16.)

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Mittwoch, 17.November

Psalm 48, 15; Jesaja 25, 9.

GOTT FÜHRT UNS RICHTIG »Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig.« Dem Psalmbeter wird das Herz weit, wenn er an ihn denkt und seine Werke betrachtet. Dieser Gott wird sein Volk nicht im Stich lassen. Mit ewiger Liebe hält er an ihm fest. Die Götter der Völker dagegen steigen mit ihnen zur Macht auf und gehen auch mit ihnen unter. Unser Gott geht nicht unter - und »wenn die Welt voll Teufel wär«. Die besiegen ihn, den Höchsten, nicht. Er wird den Bösen und alles Böse vernichten. Es ist nur logisch, wenn der Psalmbeter nach seinem Bekenntnis zu Gott zuversichtlich zum Ausdruck bringt, dass »er es ist, der uns führt«. Ja, brauchen wir das denn? Wissen wir nicht selber, was wir zu tun haben? Bedenken wir aber: Von einem Gott, der »nur groß ist«, sich jedoch nicht im täglichen Leben der Glaubenden durch sein Handeln und Wirken bezeugt und auch einmischt - einmischen darf -, hätten wir nichts zu erwarten. Er wäre eine unpersönliche Größe, die man zwar bewundern, aber nicht lieben kann. Heißt es nicht in der Bibel: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen«? Nur eine Person kann man wahrhaft lieben. Nur eine Person kann uns auch wirklich führen und leiten. Wäre Gott nicht eine Person, sondern eine ferne Größe, eine bloße Vorstellung, dann ständen wir nur unter unserer eigenen Führung und wären jedem Einfluss der Hölle ausgesetzt. Gott sei gelobt, dass er uns in Jesus, seinem Sohn, als Vater nahe gekommen ist! Seine Liebe zu uns lässt uns nicht so fehlgehen, dass wir in den Machenschaften dieser gottlosen Welt untergehen. Seine starke Hand hält uns fest und holt uns schließlich durch alles Vergehende hindurch zu sich nach Hause. (Lies Judas 24.25; 1.Petr. 5, 10. 11; 1, 3-9; 2.Thess. 3, 3; 1.Thess. 5, 23. 24.) GETRÖSTET UND GEHALTEN - (2. Korinther 1, 1-24)

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Donnerstag, 18.November

2.Korinther 1, 1; Apostelgeschichte 18, 1-11. Die Gemeinde in Korinth nahm ihren Anfang durch die Verkündigung des Paulus gegen Ende seiner zweiten Missionsreise im Jahr 50 n.Chr. . Paulus blieb dort eineinhalb Jahre, um die Gemeinschaft aus Judenchristen und einer großen Zahl von Heidenchristen im Wort Gottes zu gründen. Dennoch behielt die bedeutende Handelsstadt auch für Christen eine gefährliche Anziehungskraft. Wirtschaftlicher Aufschwung und ein faszinierendes Völkergemisch machte sie zu einem Eldorado für alle, die Kultur, Kunst, Sex und Unterhaltung suchten. Fünf Jahre später muss Paulus den ersten Korintherbrief schreiben, um das Verständnis von christlicher Freiheit zu korrigieren und um der Gefahr von Spaltung und Irrlehre entgegenzuwirken. Selbst ernannte Apostel, die ein falsches Evangelium verkünden, untergraben jedoch seine Autorität (2.Kor. 11, 4. 5). Im zweiten Korintherbrief betont Paulus deshalb wiederholt seine göttliche Sendung. Er ist ein Dokument des Apostelamtes. »Paulus, ein Apostel von Christus Jesus durch den Willen Gottes!« Ein Apostel in der speziellen Bedeutung des Neuen Testamentes ist ein Augenzeuge und Ohrenzeuge des Auferstandenen, ein von Gott bevollmächtigter Gesandter (vgl. 1. Joh. 1, 1-3). Dazu zählen die Jünger von Jesus und durch seine besondere Berufung auch Paulus (1.Kor.15, 9). Ihnen verdanken wir das zuverlässige Zeugnis von Jesus Christus. Als Nachfolger von Jesus können wir uns als Gesandte im weiteren Sinne des Wortes verstehen (Matth.9,38). Göttliche Sendung setzt Grenzen. Es geht nicht darum, mich selbst darzustellen oder eigene Ideen zu verwirklichen. Der Auftraggeber entscheidet über Ziele und Inhalte. Gleichzeitig bedeutet göttliche Sendung eine große Entlastung. Gott selbst trägt die Verantwortung für seine Sache. Ich muss nicht erfolgsorientiert, sondern darf auftrags- und verheißungsorientiert leben. Auch heute gilt Jeremia 1, 7b. 8a: »Du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht . . . ich bin bei dir.«

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Freitag, 19.November

2.Korinther 1, 1; 1. Petrus 2, 17a.

Die uns vertraute Überschrift des Briefes »Der zweite Brief des Paulus an die Korinther« erfasst nur einen Ausschnitt des ganzen Briefkopfes. Verfasserschaft und Adresse beziehen sich auf einen größeren Kreis (vgl. 1.Kor.1,1. 2). Wir werden bereits mit den ersten Worten in den Zusammenhang von Bruderschaft und Dienstgemeinschaft gestellt. Da wird der junge Mitarbeiter Timotheus als mitverantwortlich für den Inhalt des Briefes bezeichnet. Er war bereits an der Gemeindegründung beteiligt (Apg. 18, 5) und Überbringer des ersten Korintherbriefes (1. Kor. 4, 17). So kann ihn Paulus als »unseren« Bruder vorstellen. Wir brauchen immer wieder Korrektur von Jesus, um in dem Jesusnachfolger an unserer Seite »unseren Bruder« zu sehen und nicht den Konkurrenten, den Gegner, das Hindernis oder den Überflüssigen. Jeder von uns ist ergänzungsbedürftig und lernt echte Liebe zu Gott weder im Alleingang noch in ausgewählten Beziehungen. »Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht« (1. Joh.4,20b). Die »Heiligen in ganz Achaja« meint alle Gläubigen in der bezeichneten römischen Provinz. Dabei spricht der Titel »Heilige« nicht von einer besonderen geistlichen Leistungsstufe, sondern beschreibt ihre Zugehörigkeit zu Gott durch den Glauben an Jesus Christus. Die über Korinth hinaus erweiterte Zielgruppe unterstreicht, wie sehr Paulus, bei aller persönlichen Betroffenheit in der Auseinandersetzung mit den Korinthern, die große Gemeinschaft von Gläubigen im Blick behält. Seine Ausführungen sind eben nicht persönliche Verteidigung als Reaktion auf Verletzung und Kritik, sondern seelsorgerliche Hilfen, die bis heute für uns Aktualität haben. Zugleich werden wir erinnert, unseren Dienst als Teil einer großen, weltweiten Dienstgemeinschaft zu verstehen.

»Ordne mich in dein Geleite, 
Christ, in deine Schar, 
zeig mir Ziel und Weite, 
und mach hier und heute 
meine Augen hell und klar!« Arno Pötzsch

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Samstag, 20.November

2.Korinther 1, 2.

Durchgängig treffen wir bei Paulus auf diesen Segensspruch als Abschluss seiner Eingangsworte. Aber er ist mehr als eine übliche Grußformel. Er ist Segenswunsch und Zuspruch zugleich. Gnade und Friede sind Kernworte unseres Glaubens (vgl. 1. Kor. 15, 10; Eph. 2, 14). »Gnade ist nicht nur Vergebung, sondern die Lebensmacht, die das ganze Leben umschließt, trägt und formt. Die Gnade Gottes ist die Großmacht, zu der wir das Vertrauen haben, dass sie zum Ziel führen kann, was sie in einem Menschenleben begonnen hat. Ohne diese Großmacht der Gnade würde unser aller Leben mit Christus längst zum Erliegen gekommen sein. Ihr allein danken wir es, wenn der Lebenszusammenhang mit unserem Herrn uns trotz aller Bedrohung von außen und innen erhalten geblieben ist« (E.Schnepel). Das bedeutet Hoffnung und schenkt Zuversicht gerade auch angesichts schwieriger Entwicklungen wie in Korinth. Die Zusage des göttlichen Friedens erinnert uns an eine weitere Gabe Gottes. Durch den Tod seines Sohnes beendete er selbst den Kriegszustand, der durch die Sünde zwischen Gott und Mensch bestand und uns zu seinen Feinden machte. Dieser Friede eröffnet die Gemeinschaft mit Gott. Wir meinen damit jenen verlässlichen Zusammenschluss und Treuebund, den nur Gott gewähren und kein Mensch herbeiführen kann. »Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen« (Röm.5,1). Durch diesen Friedensschluss dürfen wir den allmächtigen, ewigen und heiligen Gott »unseren Vater« nennen. Durch diese Hingabe des Sohnes sind wir bereit, ihn als »Herrn« anzuerkennen, dem unser Leben gehört. In Gemeinschaft mit dem Vater und dem Herrn Jesus Christus kann ich getrost in einen ungewissen Tag gehen und getrost einen vielleicht unbefriedigenden Tag beschließen.

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Sonntag, 21.November

2.Korinther 1, 3. 4a; Psalm 73, 26.

Getröstet! Paulus spricht eine Erfahrung an, nach der sich jeder von uns je und dann sehnt. Wir können uns nicht selber Trost zusprechen. Wir brauchen einen, der uns tröstet. Bei Oswald Chambers finden wir den Rat: »Wenn du einen bitteren Kelch vor dir stehen hast, dann trinke ihn in Gemeinschaft mit Christus. « Denn in Christus tröstet uns Gott, der Vater der Barmherzigkeit. Ein allgemeines Lexikon erklärt: »Barmherzigkeit ist im Christentum die Weise der Liebe, in der sich jemand dem Elend eines anderen hilfreich zuwendet.« Eine gute Beschreibung, denn Barmherzigkeit bzw. Erbarmung ist ein Ausdruck, der genau dieses »sich zur Hilfe neigen« umfasst. Gottes Liebesweise ist dabei einzigartig. Seine Hilfe rettet vor der ewigen Verdammnis (Eph.2, 4-6), und er weiß auch in den schwersten Lagen zu stärken und durchzubringen. Für diesen himmlischen Vater, von dessen Erbarmen er lebt, weiß Paulus keinen schöneren Namen als »Gott allen Trostes«. Dieser Trost ist umfassend und jeder Lage gewachsen. »Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort« (2.Thess.2,16.17). Auch das Alte Testament spricht an vielen Stellen von dieser ganz persönlichen Glaubenserfahrung (vgl. Ps. 4, 2; 118, 5; Jes. 66, 13). Unser Vater-Kind-Verhältnis erfährt Tiefgang, wenn wir ihn an den entscheidenden Punkten unseres Lebens nicht ausklammern, sondern die Not unter seine Verantwortung stellen. Vielleicht können heute noch unklare Gedanken zum Gebet werden: Mein Vater, du weißt, was mich umtreibt und krank machen will. Du verstehst ja meine Gedanken von ferne. Aber zu meiner Entlastung will ich dir sagen, was mich beschwert:




Amen.

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Montag, 22.November

2.Korinther 1,3.4; 1.Thessalonicher 5,14-18. Eine junge Witwe wird nach schwerer Krankheit gefragt: »Was hat dir geholfen, dein Leid zu verkraften, und dich bewahrt, bitter zu werden?« Ihre Antwort lautet: »Ich besuche im Dorf regelmäßig eine gelähmte Frau. Sie freut sich, wenn ich zu ihr komme!« Getröstet werden und Trost weitergeben steht in einer überraschenden, segensreichen Wechselwirkung. So entdeckt Paulus dankbar das »Gute« in der Trübsal, die menschlich gesehen nur negativ zu bewerten wäre. »Mit dem Trost, mit dem wir selber von Gott getröstet werden, können wir andere trösten.« Auch wenn Gott dies in jeder nur denkbaren Trübsal schenken kann, dürfen wir die spezielle Wortbedeutung nicht außer Acht lassen. Der hier verwendete Begriff Trübsal, Drangsal oder Bedrängnis meint in der Regel das Leiden um des Herrn Jesus Christus willen (vgl. Matth.24,9; Apg.14, 22). Hier spricht der Apostel, der als Zeuge von Jesus dieses Leiden vielfach erlebt hat und nicht daran zerbrochen ist, weil er den göttlichen Trost erfahren hat. Für ihn ist es Anlass, von der Nachfolge nicht abzuraten, sondern weiterhin einzuladen. Unser Herr ist darin konkurrenzlos, selbst Böses zum Guten zu wenden. »Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen« (1.Mose 50, 20; vgl. Röm. 8, 28). In einem Brief las ich: »Es mag sein, dass du von Menschen enttäuscht und ungerecht behandelt wurdest, von deinen Versuchungen und Versäumnissen gequält wirst, von den Ereignissen in der Welt verwirrt bist. Gott ist es nicht, weil er sowohl die äußeren wie auch die inneren Verhältnisse der Welt mit ruhiger und fester Hand leitet! Du bist Gegenstand seiner unendlichen Fürsorge und seiner tiefen Anteilnahme. Übe dich in der heiteren Gelassenheit des Glaubens, sodass andere fragen: Wie kommtµs, dass du so zufrieden bist?«

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Dienstag, 23.November

2.Korinther 1, 5-7; Johannes 15, 20.

Jesus hat seine Jünger nie im Zweifel darüber gelassen, dass Nachfolge auf den Kreuzweg führt (Matth. 10, 38). »Kann es Anteil am Schmerzensmann geben ohne seine Leiden« (W. de Boor)? Aber nun weiß Paulus um einen weiteren bedeutungsvollen Zusammenhang. »Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil!« Vielleicht denkt Paulus dabei an jene zweite Missionsreise, die ihn über mancherlei Leidensstationen nach Korinth führte: Misshandlung und Haft in Philippi (Apg. 16, 22-24), Bedrohung und Vertreibung in Thessalonich und Beröa (Apg.17,5.10.13.14), Ablehnung in Athen (Apg.17,32). Wenn in diesen Orten alles erfolgreich verlaufen wäre, hätte er vermutlich Korinth nie aufgesucht. Das Heil, die Rettungsbotschaft, wäre nicht zu ihnen gekommen. Das Leiden um des Herrn willen ist also nie nur persönliches Schicksal, es nimmt auch Einfluss auf die Gemeinde. Wir stellen fest: mein Glaube, meine Nachfolge, mein Dienst, meine Kämpfe, - all dies ereignet sich nicht nur privat. Sinn und Bedeutung erschöpfen sich nicht bei mir selbst. Wir dürfen mit einem verborgenen, weitgespannten Segen rechnen, auch wenn diese Wirkung für unsere Augen oft verborgen bleibt. So ermutigt Paulus die Korinther, ihre Leiden als Gläubige im rechten Licht zu sehen und mit Geduld zu ertragen. Biblische Geduld meint keine resignierte Ergebung, sondern aktives Ausharren, ein bewusstes Darunterbleiben durch die Kraft, mit der Jesus Christus zum Leiden befähigt. Eine weitere Ermutigung bedeutet die aus eigener Erfahrung bezeugte Verbindung von »bedrängt sein« und »getröstet werden«. Gott, der Lasten auflädt, hilft auch. So bezeugt der angefochtene, leidende Prophet Jeremia: »Dein Wort ward meine Speise, sooft ichµs empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, Herr, Gott Zebaoth« (Jer.15,16). Danke, Herr, für diese Hoffnung.

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Mittwoch, 24.November

2.Korinther 1, 8-10; Römer 4, 17-22. Paulus weiß wahrhaftig, wovon er spricht, wenn er Trübsal, Leid und Trost erwähnt. Er verkündet keinen theoretischen Glauben, der gelingt, wenn man das Richtige denkt oder einfach bestimmte Regeln einhält. Glaube ist nie Besitz, über den wir verfügen könnten. Auch als reifer Christ kann ich im Ernstfall nicht auf Glaubensreserven oder Methoden zurückgreifen. »Wir verzagten am Leben!« So tief also kann auch ein bewährter Apostel angefochten sein und ist damit wieder neu in seinem Glauben völlig auf Gott geworfen. Welches Über- maß an Leiden deutet Paulus hier an? Wir können es heute nicht mehr zufrieden stellend rekonstruieren. Die Gemeinde in Korinth jedoch scheint um den Zusammenhang zu wissen. Es geht Paulus auch gar nicht um ein Interesse an den dramatischen Einzelheiten seiner Missionsabenteuer. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Sinn der Ereignisse. Tatsächlich sind sie nicht allein durch feindliche Macht und Willkür in eine solche Lage geraten. »Gott wollte, dass wir uns nicht auf uns selbst verlassen, sondern auf ihn, der die Toten zu neuem Leben erweckt« (V. 9). Gottes Ziel ist es, aus Nachfolgern Menschen des Glaubens zu machen, Männer und Frauen, die Gott existenziell nötig haben und mit seinen Möglichkeiten rechnen. Der Gott des Trostes ist der Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat (Apg. 3, 15) und auch uns auferwecken wird (1. Kor. 15, 20-26). Für einen Gläubigen ist der Tod nicht das Letzte. Er ist das Durchgangstor zum ewigen Leben in die Gottesgemeinschaft (Joh. 17, 24). Aber auch aus Todesgefahr kann der lebendige Gott erretten. Paulus durfte dieses Wunder erleben. Für ihn trifft zu, was der Biograf von Missionsdirektor i. R. E. Vatter bezeugt: »Er glaubte nicht, weil er Wunder erlebte. Aber er erlebte Wunder, weil er glaubte.«

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Donnerstag, 25.November

2.Korinther 1, 10. 11; 1.Timotheus 2, 1-4. Paulus hat Hoffnung auf künftige Aushilfe Gottes. Dabei rechnet er mit der Fürbitte der Korinther nicht als pflichtgetreue brüderliche Geste, sondern als eine wesentlich wirksame Unterstützung. Vers 11 lässt sich übersetzen mit: »Wobei auch ihr durch das Gebet für uns mitwirkt.« Wir ahnen, dass wir die Macht des Gebetes in der Regel unterschätzen. Durch die Fürbitte sind wir an dem, was Gott an und durch Menschen tut, auf geheimnisvolle Weise beteiligt. Als Georg Taubmann, Leiter der Shelter-Now-Gruppe in Afghanistan und Pakistan, zusammen mit sieben anderen Christen von den Taliban gefangen gehalten wurde, schrieb ihm ein Freund: »Manchmal weiß ich gar nicht mehr, wie ich beten soll. Einmal bestürme ich Gottes Thron, euch doch bitte jeden Schmerz zu ersparen und sofort zu befreien, ein anderes Mal bete ich nachdenklich Vater, dein Wille geschehe! Folgendes Zitat hilft mir beim Beten: Die wahren Gebetserhörungen sind nicht die, die unsere dringenden Anliegen sofort beantworten, sondern die, die Gott am meisten Ehre bringen! Ich weiß, dass du genau das willst! Darum bete ich jetzt vor allem, dass dich der Friede Gottes und die Gewissheit, von ihm getragen zu sein, niemals verlassen - was auch immer geschehen mag!« Was geschieht, soll zu Gottes Ehre dienen! Dieses Anliegen bewegt Paulus, und er scheint sich schon jetzt an der Vorstellung zu freuen, dass viele von Gottes Taten hören und ihm dafür danken.Wenn auch wir durch unsere Fürbitte andere Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes stellen wollen, ist es sicher gut, dies nicht dem Zufall zu überlassen. Für diesen Menschen möchte ich künftig regelmäßig an folgenden Tagen beten und seine Anliegen teilen:




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Freitag, 26.November

2. Korinther 1, 12. 13; Römer 14, 10-13. Bis zu diesen Zeilen hat Paulus mit keinem Wort daran erinnert, dass zwischen ihm und der Gemeinde eine Differenz und belastende Spannung bestand. Aber nun muss er doch diesen wunden Punkt berühren. Kritiker haben schließlich seine Autorität in Korinth unterhöhlt, seine Worte und Taten verurteilt (1.Kor. 9, 1-3). Kann Paulus tatsächlich ohne Bitterkeit in der zuvor beschriebenen Weise von Brüdern reden und zur Fürbitte für ihn ermutigen? Er kann. Vor Gott und seinem Gewissen weiß er von keinen falschen Motiven oder Rachegedanken. Seine Lebenspraxis ist ja nicht bestimmt von einer allgemein üblichen »fleischlichen Weisheit«, jener menschlichen Klugheit, die im Grunde nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Trotz aller Angriffe ist er ihnen gegenüber schlicht, eindeutig und klar geblieben. Auch dieser zweite Brief zeugt von seiner selbstlosen Liebe, die das Wohl der Korinther im Blick hat. Das ist kein Grund für Paulus zum Eigenlob. Es ist die Gnade Gottes, die Menschen so verändert und befreit. Werden sie dem Herrn vertrauen? Wir nehmen betroffen zur Kenntnis, dass man sogar hinter seinen brieflichen Äußerungen unehrliche Diplomatie und heimliche Gedanken vermutet. Er muss ihnen versichern, dass sie seine Worte so nehmen dürfen, wie er sie schreibt. So verhängnisvoll kann man einander missverstehen und großes Unrecht zufügen. Sind auch wir in Gefahr, jemanden abzuschreiben und zu verurteilen? Unsere so genannte Menschenkenntnis kann sehr irre gehen, und wir werden schuldig an einem Bruder, der das, was wir böse deuten, mit völlig anderen Motiven vor Gott getan hat. Unsere Verachtung jedoch kann ihn innerlich aus der Bahn werfen. Gottes Wort stellt einen ganz anderen Anspruch: »Sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen« (Gal.6,1b. 2).

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Samstag, 27.November

2.Korinther 1, 13. 14; 1.Korinther 4, 5.

Der Tag des Herrn ist im Alten Testament der erwartete Gerichtstag über die Heidenvölker (Jes. 13, 9-11) und über Israel (Zef. 1, 4-7). Im Neuen Testament steht neben der ernsten Gerichtsbotschaft (Apg. 17, 31) für die Gemeinde der frohe Ausblick auf die Zusammenführung mit Jesus. Wir lesen 1.Thessalonicher 4, 15-5, 2. Paulus will an dieser Stelle nicht auf ein fernes Ende hin Probleme glätten oder billig vertrösten. Für ihn ist der Tag des Herrn Wirklichkeit des Glaubens, die in der Gegenwart Bedeutung hat. Wenn Jesus wiederkommt, werden in seinem Licht die Dinge klar werden. Dann wird Paulus rühmen, was die Gemeinde in Korinth für seinen Aposteldienst bedeutet hat. Und dann werden die Korinther rühmen, welches Geschenk Gott ihnen in Paulus bereitet hat. Undankbarkeit, Misstrauen und falsche Verdächtigungen werden dann keinen Raum mehr haben. Ein Leben in der Erwartung der Wiederkunft des Herrn »lenkt uns nicht von der Gegenwart ab, sondern wirkt als starke Hilfe befreiend in die Gegenwart hinein. Wir werden besser miteinander fertig, wenn wir uns im Geist in den Tag des Herrn versetzen und uns dort vor seinem Angesicht stehen sehen, einer der Ruhm und die Freude des andern. Paulus hat auf den alles enthüllenden Tag nicht drohend geblickt, sondern von diesem Tag die positive, frohe Lösung aller Nöte und Spannungen erwartet« (W. de Boor). Was jetzt noch Stückwerk ist in unseren Beziehungen und in unserem Glauben, weiß Gott zu vollenden (vgl. Phil.1,6; 1.Thess.5, 23). »Herr, du siehst, was mich bedrängen und im Laufe hindern will. Schenk du mir aus Angst und Engen neu den Ausblick auf das Ziel. Hilf den Glaubenskampf bestehen, bis am Ziel ich angelangt, wo dich die Erlösten sehen und mein Mund dir ewig dankt.« (H. Winkel)

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Sonntag, 28.November, 1.Advent

Lukas 1, 5-13.

An den Adventssonntagen und ab dem 17. 12. befassen wir uns fortlaufend mit den Ereignissen, wie sie uns die Evangelisten Lukas und Matthäus überliefert haben. Lesehilfe: Die Versangaben im Erklärungstext beziehen sich alle auf das jeweilige Kapitel der biblischen Kopfstelle. GOTT ÜBERTRIFFT ALLE UNSERE ERWARTUNGEN Die Geschichte vom Kommen des Sohnes Gottes in unsere Welt ist verzahnt mit der Geschichte von Johannes dem Täufer. Er ist der letzte alttestamentliche Prophet, der die Ankunft und den Auftrag des Messias vorbereiten sollte. Seit fast 500 Jahren hatte es in Israel keinen Propheten mehr gegeben. Eine verworrene, leidvolle Volks- und Glaubensgeschichte lag hinter dem »kleinen Rest«, der sich nach dem babylonischen Exil wieder in Israel angesiedelt hatte. »Aber es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind« (Jes.8,23; wir lesen dazu Psalm 107, 10-14). Gott kennt den richtigen Zeitpunkt, an dem er den roten Faden seiner Liebe neu einfädelt. Der Auftakt beginnt nicht im Königshaus des Herodes, sondern im Haus des Priesters Zacharias. Sein Name »Gott gedenkt« deutet programmatisch eine Lebens- und Glaubenswende an. Gott gedenkt jetzt besonders an sein geschundenes Volk, indem er als der Herr in das Leben eines Einzelnen eingreift (vgl. 1.Mose 18,10-14.17-19). Wie zeigt sich das Gedenken Gottes im Leben des Zacharias und seiner Ehefrau Elisabeth? - Gott wählt den schwachen, den wunden, ja toten Punkt im Leben seiner Leute aus (V. 7). Welch ein Segen mag vom gemeinsamen Glauben und Beten dieses Ehepaares ausgegangen sein (V.6)! Unterschwellig jedoch brannte die Not, die niemand lösen konnte, die aber alle möglichen Nachbarn und Bekannten und vielleicht auch das eigene Herz als Strafe Gottes für irgendeine Sünde ansah (vgl. Joh. 9, 1. 2). - Gott sendet sein Wort ins Zentrum des Kummers (V.13). Er spricht nicht nur ein persönliches Anti-Angst-Wort aus, sondern ein Gnadenwort. Mit der Ankündigung des Sohnes Johannes (d.h. übersetzt »Gott ist gnädig«) verspricht der Herr den Anbruch des lang verheißenen »Gnadenjahres des Herrn« (Jes. 61, 2). Welche Gnaden-Wohltat Gottes aus Jesaja 61, 1-3.10 will ich neu für mein Leben erwarten?

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Montag, 29.November

2.Korinther 1, 15-18; Philipper 2, 3-5.

Paulus nimmt hier Bezug auf seine Reisepläne, wie er sie in seinem ersten Brief 1. Korinther 16, 5-7 in Aussicht stellte. Dazu kam es nicht. Kann man ihm aus diesem Vorfall den Vorwurf der Unglaubwürdigkeit machen? Der Hergang war folgender: Noch bei Abfassung des ersten Briefes rechnete Paulus damit, dass die Korinther sich korrigieren lassen und das erschütterte Vertrauensverhältnis sich wieder festigt. Timotheus muss jedoch nach Übergabe des Briefes von bedenklichen Entwicklungen berichtet haben, sodass Paulus sich zu einem schnellen Zwischenbesuch entschloss, der jedoch keine Änderung herbeiführte (2.Kor.2,1). Nach einem notvollen Zwischenfall, von dem in Kapitel 2 die Rede sein wird (2. Kor. 2, 5), änderte er seine Besuchspläne und schrieb in großem Schmerz über die Ereignisse einen Brief, der uns nicht mehr vorliegt und »Tränenbrief« genannt wird (2. Kor. 2, 4). Es ist also nicht menschliche Unzuverlässigkeit, die Paulus seinen längeren Besuch aufschieben lässt, sondern geistliche Verantwortung. Er wollte es durch eine verfrühte mündliche Aussprache nicht zu einem vollen Bruch kommen lassen. Sein Besuch hätte die Gemeinschaft nicht gestärkt, sondern zerstört. Paulus handelt als Seelsorger, der keine Brücken abbrechen, sondern bauen will. Aber er übergeht die Probleme nicht stillschweigend und kehrt sie auch nicht um des lieben Friedens willen unter den Teppich. Es ist gefährlich, wenn über längere Zeit Schäden totgeschwiegen werden, um nach außen ein heiles Bild abzugeben. Nur unter klaren Verhältnissen kann geistliche Gemeinschaft gelebt werden. »Lebt der Berufung würdig, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens« (Eph. 4, 1b-3). Dazu hilft und dabei bewahrt die persönliche und gemeinsame Beschäftigung mit Gottes Wort (Kol.3,16.17).

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Dienstag, 30.November

2. Korinther 1, 19. 20; Römer 11, 36. Wir sind es gewohnt, jedes Gebet mit Amen zu beschließen. Darunter verstehen wir oft vorrangig einen allgemein üblichen Schlusspunkt unserer Gebete und denken weniger an eine tiefere Bedeutung. Unter Frage 129 im Heidelberger Katechismus lesen wir: »Was bedeutet das Wort Amen? Amen heißt: Das ist wahr und gewiss! Denn mein Gebet ist von Gott viel gewisser erhört, als ich in meinem Herzen fühle, dass ich dies alles von ihm begehre.« Diese Erklärung fußt auf dem hebräischen Wortstamm, den wir in den Worten fest, zuverlässig, gültig wiederfinden. Wir können also deshalb ein Amen sprechen, weil es einen treuen, zuverlässigen Gott gibt. Sein Sohn Jesus Christus ist die Bekräftigung aller seiner Verheißungen in Person (vgl. Luk. 24,27; Röm.15, 8). Vers 20a ist in doppelter Hinsicht zu verstehen. In Jesus ist das Ja auf alle Versprechungen Gottes, weil sie sich in seiner Person erfüllen. Und zugleich ist Jesus das große Ja, das Gott zu uns sagt. In der Offenbarung wird »Amen« sogar zu seinem Namen (Offb.3,14). »Ich wurde nicht gefragt bei meiner Geburt, und die mich gebar, wurde auch nicht gefragt bei ihrer Geburt. Niemand wurde gefragt außer dem Einen, und der sagte: Ja!« So schreibt ein Zeitgenosse und verweist damit auf jene große Entdeckung, dass unser Leben unter dem Ja Gottes Sinn und Halt findet. Bei Jesus erwartet uns kein Unsicherheitsfaktor. Wer ihn kennen lernt, muss nicht fürchten, dass er seine Zusagen bereut und zurücknimmt. Jesus bürgt dafür, dass wir trotz aller Schuld heimkommen dürfen und Vergebung finden. Darum ist und bleibt Jesus der Mittelpunkt aller Verkündigung. Ihn zu bekennen und anzuerkennen ist Lob Gottes. »Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden! Amen! Amen« (Ps. 72, 19)!

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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