Die letzten Tage vor seinem Tod waren für Jesus besonders schwer: Das tiefgründige Unverständnis der Jünger für die Passion ihres Herrn (Luk. 18, 31-34; Joh. 18, 11), die Schläfrigkeit und Kraftlosigkeit (Matth. 26, 40), ihre Selbstüberschätzung (Luk.22,24), Verleugnung, Verrat, Flucht (Matth.26,56). Dann der Prozess, das Todesurteil und die Hinrichtung eine Flut von Lügen, Demütigungen, Misshandlungen, Brutalitäten ergießt sich hemmungslos über den zum Tod am Kreuz Verurteilten. Und Jesus? Er hat all das Unrecht und das Schwere, die Gemeinheiten und Quälereien, in das eine Wort »Vater!« zusammengefasst. »Vater«, das ist sein erstes und das ist sein letztes Wort am Kreuz. »Vater«, »heiliger Vater«, »gerechter Vater«, »mein Vater« so ehrfurchtsvoll, so vertrauensvoll, so hingebungsvoll war der Sohn seinem Vater zugewandt (Joh. 17, 11. 25; Matth. 26, 39). Auch jetzt am Kreuz hat der Sohn sich ganz mit dem Willen des Vaters zusammengeschlossen. »Nicht, wie ich will, sondern wie du willst«, und was der Vater wollte, das wollte auch der Sohn aus Liebe zum Vater und aus Liebe zu uns. »Vater, vergib ihnen!« Den Spöttern und den Gleichgültigen, den Mördern und den Achtbaren, den Stolzen und den Verzagten. »Vergib ihnen!« behandle mich, wie sie es verdient haben. Lege mir die Strafe, die sie nicht ertragen können, auf. Vollstrecke an mir ihr Todesurteil. »Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!« Wissen sie es wirklich nicht? Äußerlich gewiss nicht aber in ihrem Herzen. Es ist uneinsichtig, unverständig, unbußfertig »ein trotzig und verzagt Ding« (Jer. 17, 9). Vater, es muss ein Wunder geschehen, sonst gehen sie alle verloren. Vergib ihnen: die Sünden von gestern, die Sünden dieses Tages, die Sünden von morgen und von übermorgen. Wir vertiefen uns aufmerksam in das Gebet Davids: Psalm 32, 1-11.
Wie kurzsichtig, ja blind, können Menschen im Blick auf Jesus sein, selbst, wenn sie seinen Namen kennen und nennen: Christus. »Bist du Christus?«, fragt der eine Übeltäter vorwurfsvoll. Bist du der Gesalbte, der Messias-König, Helfer und Befreier der Unterdrückten? Dann hilf dir selbst und uns! Als ob Christus sich je selbst geholfen hätte! Als ob er sich je vor den Wagen anderer hätte spannen lassen! Als ob es nur darum ginge, die äußeren Verhältnisse zu ändern, Gegner niederzumachen und Gesinnungsgenossen auszuzeichnen! Jesus schweigt. Wie viel weiter und klarer sah der andere Übeltäter. Soeben war das Wort verklungen »Vater, vergib«, da wusste er, dass es an höchster Stelle noch Hoffnung gibt, Hoffnung für Gescheiterte, für Straftäter, für Verurteilte (Jes.53,4. 5; Apg. 13, 38. 39). Und er war nicht zu stolz, sein Unrecht dem hinzuhalten, der ohne Schuld war. Er war nicht zu stolz, den um Hilfe zu bitten, der für seine Feinde betet. Er war nicht zu stolz, in letzter Minute die unentbehrliche Bitte zu sprechen: Denk an mich. Vergiss mich nicht. Ich brauche Vergebung. Ich brauche dich. Jesus vergewissert: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.« Heute nicht irgendwann einmal. Jetzt braucht er Rettung. Jetzt wird sie Wirklichkeit. Im Augenblick des Todes taucht er ein ins Paradies, die unsichtbare Welt: Er wird »Wonne und Freude erlangen, Kummer und Seufzen werden entfliehen« (Jes. 51, 11). »Heute noch«, sagt Jesus, »wirst du mit mir im Paradies sein.« Gemeinsam mit Jesus überschreitet er die Linie vom Sichtbaren ins Unsichtbare. Mit Jesus stirbt er, und mit ihm geht er hinein in »SEIN Reich«. Da wird »Jubel und ewige Freude über ihrem Haupt sein« (Jes. 35, 10).
In seinem ersten Wort am Kreuz erkannten wir Jesus als Fürsprecher für »die Fernen«, für seine Feinde. Jetzt sehen wir ihn als Fürsorger für »den Nächsten «, für seine Freunde. Jesus, der von Schmerzen Übermannte, verliert weder die verlorene Welt noch den mit Kummer beladenden Einzelnen aus den Augen. Jesus sieht Maria und öffnet ihr die Augen für einen »anderen Sohn«, den »Jünger, den Jesus lieb hat«. Schon immer war Maria offen für das Handeln Gottes in ihrem Leben. Sie, die den Mensch gewordenen Sohn Gottes neun Monate lang »in sich« tragen und für ihn sorgen durfte, wie nur eine Mutter es kann, soll nicht in Traurigkeit vereinsamen. Sie, die es lernte, den Sohn Gottes aus der Hand des Höchsten anzunehmen und der Führung Gottes zu überlassen, darf nun besonders mit dem verbunden sein, der den Meister in seinem Wesen wie kein anderer erkannte: Johannes. Er, der die Bestimmung des Herrn, »Lamm Gottes« zu sein, wie kein anderer erfasste, darf nun Sorge tragen für Maria, sie einbinden in die neue Jünger-Gemeinde (Apg. 1, 14). Es ist Jesus, das Lamm Gottes und später der Auferstandene, der sie miteinander verbindet. Er ist jetzt, da er sein Leben aushaucht, als Lamm Gottes in ihrer Mitte, er wird es auch als Auferstandener sein. Die Verbundenheit mit Jesus ist eine bleibende Verbundenheit mit IHM und miteinander. Eine Gemeinschaft, die den Gekreuzigten und Auferstandenen in ihrer Mitte hat, eine Gemeinschaft, die nicht der Versuchung erliegt, sich abertausend Äußerlichkeiten und Traditionen zu verschreiben, sondern dem einzigen Gebot und dem einzigen Befehl des Herrn gehorsam ist, wird ihre Vollmacht nicht verlieren und bleibende Frucht tragen (Joh. 13, 34. 35; 15, 9-17 20, 20-23 (Matth. 28, 19. 20) Apg. 2, 41. 42; 12, 5. 24; Gal. 5, 22).
Jetzt waren die »Erdensorgen« des Herrn überwunden: Den Feinden war Vergebung zugesichert (Röm. 5, 8-10), »die Erstlingsbeute des Sieges eingebracht « (H. Bezzel) und Maria dem Jünger, und der Jünger Maria anbefohlen. Das Werk des Herrn auf der Erde war abgeschlossen. In unbedingter Treue, in lückenlosem Gehorsam und hingebungsvoller Liebe hatte er den Willen des Vaters verwirklicht. Der Sohn hat sich bewährt, da er in zahllosen Versuchungen die innige Gemeinschaft mit dem Vater bewahrt hatte. Und jetzt geschah das Unbegreifliche, der furchtbarste aller Augenblicke: die Trennung vom Vater. Das Auseinanderbrechen vollkommener Einheit mit dem Vater, die er im Himmel und auf Erden gelebt hat. »Mein Gott, warum?« Der Herr fragt nicht: Warum hast du mir diesen schweren Weg nicht erspart? Er fragt viel tiefer, er fragt nach der Ursache. »Warum hast du mich verlassen?« Von Gott verlassen zu sein, das ist die Hölle. Auf dem Tiefpunkt seines Lei- dens geschah sein größter Dienst: Er nahm die Sünden aller vergangenen und zukünftigen Menschen-Generationen auf sich. Er ließ sich zur Sünde machen und machte darin die Hölle durch. Das Lamm Gottes musste ausbluten, es hat seine »Seele ausgeschüttet« (Jes. 53, 12). Es musste an meiner und deiner Sünde sterben, Stellvertreter für mich und dich werden. Die Hölle für dich und mich durchmachen, damit wir nicht in die Hölle müssen. Und in allem war es für Jesus die schrecklichste Schrecklichkeit, vom Vater, der sein Leben, seine Freude und Liebe ist, verlassen zu sein. Warum? Weil der Vater es so haben wollte, und zugleich war es für den Sohn die dunkelste Dunkelheit. Sein Warum umschließt mein Warum, mein Leid, meinen Kummer, meine Sünde und ist doch mein Leben. (Lies Ps. 22, 1-9. 14-19; 69, 2. 3. 8. 21; Hebr. 5, 7.)
Jesus war völlig treu. Selbst unscheinbarste Aussagen des Wortes Gottes trug er im Herzen, um die Schrift zu erfüllen obwohl er »wusste, dass alles schon vollbracht war«! Einem Vermächtnis gleich, bestärkte er noch einmal, dass Gottes Wort höchste Autorität und oberste Priorität hat: Es war seine Kraft, seine Lebensquelle, sein Schwert (Joh. 4, 34; Luk. 4, 4; vgl. Luk. 2, 46. 47. 49; Hebr. 10, 5-9); und diesem Wort blieb er bis zum letzten Atemzug treu. Das kann uns trösten und helfen, wo wir die Heilige Schrift und den Anspruch Gottes nicht verstehen, dennoch am »Wort des Lebens« festzuhalten. Die Treue unseres Herrn soll uns aber auch ermahnen, dort, wo wir verstehen, Gehorsam zu lernen. Jesus selbst beugte sich ins Wort hinein und »ward gehorsam« (Phil.2,8). »Er lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam« (Hebr. 5, 8; vgl. Jes. 50, 5). Indem Jesus spricht »Mich dürstet«, gesteht er seine Not, aber er klagt nicht an. Wer wollte es ihm verdenken, »wenn er sagte: Bin ich nicht der Fels, der mitfolgte (1. Kor. 10, 4), von dem Tausende tranken in der Wüste und nun verschmachte ich im Unglück . . . Er hat es bekannt, dass ihn dürstete, aber beklagt hat er's nicht . . . In deiner Dürftigkeit tröste dich seine Armut; bei deinem Unmut stärke dich seine Gelassenheit« (H. Bezzel). Indem Jesus spricht »Mich dürstet«, ist er bereit, sich dienen zu lassen. Schärfer kann der Kontrast nicht sein: Er, der von sich selbst sagte »Ich bin in eurer Mitte wie der Dienende«, lässt sich von seinen Feinden dienen. Wenn er schon den Dienst der Feinde annimmt, wird er sich nicht viel mehr freuen über den Dienst seiner Freunde? Er hat uns ja »gereinigt von toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott« (Hebr. 9, 14; lies Ps. 22, 31; 100, 1ff; Gal. 6, 2. 10).
Von außen besehen, sind die unsagbaren Qualen von Jesus beendet. Die Feinde haben ihren Triumph, aber der Sieg gehört Jesus! Die Gegner haben einen Etappen-Sieg erreicht, Jesus hingegen hat den ganzen Sieg errungen. »Es ist vollbracht!« Das ist ein heilsgeschichtliches Wort. Hier erfüllt sich das »erste Evangeliumswort« in der Bibel, die überaus gute Nachricht vom Nachkommen der Frau, der der Schlange »den Kopf zermalmen wird« (1. Mose 3, 15). Dieser Sieg ist eine unumstößliche, eine gesicherte und ewig gültige Tatsache bis hin zur endgültigen Verurteilung und Verbannung Satans. ein seelsorgerliches Wort. Der Sieg auf Golgatha ist vollbracht, aber noch nicht vollendet. In dieser Spannung leben wir. Auch wenn Sünde, Tod und Teufel immer noch ihr grausames Unwesen treiben, dürfen wir Augenblick für Augenblick mit dem Siegesruf »Es ist vollbracht!« leben. Wir werden gerüttelt und geschüttelt von der Macht des Bösen, wir gehen durch Krankheits- und durch Leidenstiefen und geraten auch noch in Sündennöte und doch gilt der errungene Sieg unseres Herrn. Er ist vollbracht. Es gehört zur Jesus-Art, »dass er das Neue langsam siegen lässt, damit das Alte nicht weggezaubert werde, sondern von innen heraus seine Überwindung empfange« (H. Bezzel). Wenn Sorgen und Erinnerungen an alte Niederlagen uns bedrängen, wenn Ängste uns einengen, wenn »Gewohnheitssünden« uns zur Verzweiflung treiben, wenn Einsamkeit uns zu erdrücken droht, wenn unser ganzes Leben so nichtig erscheint und die Armut unserer Arbeit uns niederdrückt, kann das alles den Sieg unseres Herrn nicht aus den Angeln heben. Er hat dir das Glaubensrecht und die Hoffnungsgewalt der Liebe geschenkt, seinen Siegesruf mit ihm zu sprechen: »Es ist vollbracht!« Wir lesen betend Römer 8, 31-39.
Ehe es von Jesus heißt »und er verschied« (wörtl. sein Leben aushauchte), vertraute er seinen Lebensgeist dem Vater an. Der Sohn übergab sich der Macht des Vaters. Jesus ist »heimgegangen«. Nicht die Erde war seine Heimat; denn »der Sohn des Menschen hat keinen Ort, wohin er sein Haupt legt« (Luk.9,58). Während seiner irdischen Wirksamkeit war er gewissermaßen im Vater zu Hause. »Jesus vertraute sich den Menschen nicht an; denn er wusste, was im Menschen war« (Joh. 2, 24. 25). Diese »Lebenslinie« des Herrn wird bis in seinen Tod hinein deutlich. Darum konnten der Tod und das Totenreich ihn auch nicht festhalten, weil er nie, in keinem noch so kleinen Augenblick, sich von seiner eigentlichen Heimat trennte und niemals der Sünde sein Ohr lieh. In allem war er dem Himmel, dem Vater, dem Willen des Vaters treu geblieben. Darum ist er von den Toten auferstanden, darum ging er vierzig Tage nach seiner Auferstehung für immer zum Vater in den Himmel zurück. Welch unschätzbarer Trost für uns! Wenn es mit uns zu Ende geht, geht es bei Jesus weiter. Mit unserem Tod fallen alle irdischen Türen ins Schloss, aber die Tür in den Himmel steht weit offen. Wir gehen heim zu Jesus. Das gilt für jeden, der sich ihm und seinen guten Händen anvertraut hat. Kein noch so schweres und leidvolles Sterben kann die offene Tür zu Jesus verschließen. »Der Himmel steht offen, Herz, weißt du warum? Weil Jesus gekämpft und geblutet: darum« (Verf. unbekannt). Wir mögen mit Wehmut und Schrecken an unser Sterben denken. Leg diese dunklen Gedanken und alle deine trüben Gedanken, dein sorgenvolles Denken, deine bösen Gedanken in seine durchbohrte Hand. Sie macht allen Schaden gut. Psalm 31, 1-6. 8. 9. 15-17. 20 darf auch mein persönliches Gebet sein.
»Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.« Die Auferstehung von Jesus besiegelt die letzten Worte, die der sterbende Herr am Kreuz sprach: »Es ist vollbracht!« Der ewig gültige Sieg Gottes über Satan, Sünde und Tod ist errungen. So reißt die Auferstehung des Herrn vollkommen neue Horizonte auf: für die Jünger damals, die noch eingesponnen waren in Traurigkeit und Angst. für die weltweite Jesus-Gemeinde heute, der der Heilige Geist die geistliche Dimension von Kreuz und Auferstehung für die praktische Jesus-Nachfolge erschlossen hat. »So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit seiner Auferstehung sein, da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen« (Röm. 6, 4-6). Wir lesen Römer 6, 11-13. 19 und Epheser 4, 22-32 betend. Wir dürfen den Herrn jetzt bitten: Lass mich erkennen, wie sich deine Auferstehungskraft in meinem Leben praktisch auswirken will! für die Jesus-Gemeinde morgen, die ihrem größten Tag entgegengeht, wenn »zuerst die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen und danach wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen und wir bei dem Herrn sein werden allezeit« (1. Thess. 4, 16. 17). Von der Jesus-Gemeinde werden demnach nicht alle sterben, »wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick,... Denn dieses Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen« (1. Kor. 15, 51-53).
Jesus ist auferstanden die Wand des Todes durchbrochen, ja »zunichte gemacht«, und der Herr hat »Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht« (2.Tim.1,10). Welch ein Geschenk, das er den Jüngern mitgebracht hat! Noch sind sie in Trauer vermummt. Aber Jesus beschenkt sie. Das erste Geschenk Friede Noch hatten die Jünger Mühe, die vielen Ereignisse der letzten Tage und dieses Tages richtig einzuordnen. (Vgl. Joh. 20, 2b. 9. 10. 14. 15.) Erste Begegnungen mit dem Auferstandenen lassen kleine Ansätze eines neu erwachten Vertrauens erkennen (V. 8. 16. 18). Und doch zitterten die Herzen der Jünger vor Furcht und Schrecken, als sie am Abend des Auferstehungstages hinter verschlossener Tür beieinander waren. Jünger gehören zusammen, gerade dann, wenn es schwierig wird, wenn Schuld und Traurigkeit, Sorgen und Ängste die Herzen quälen. Es ist gut, dass sie beieinander sind. Aber Jesus, ihr geliebter Meister, der tragende Grund ihres Lebens und die Mitte ihrer Existenz, war nicht mehr unter ihnen. Wenn er fehlt, fehlt alles! Worauf wollen sie denn bauen ohne ihn? Woran noch glauben ohne ihn? Vielleicht lag hier der Grund, warum Thomas nicht »bei ihnen war«. Ohne Jesus in der Mitte bricht unser Leben, auch unser Glaubens- Leben, wie ein Kartenhaus zusammen: 1. Korinther 15, 12-20. Gott sei Dank, es gibt Hoffnung. Sie steht schon vor der Tür. Die Jünger sehen noch nichts. Aber er ist da Jesus, der auferstandene Herr. Darum wollen wir vertrauensvoll festhalten: »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust« (Hiob 19, 25-27).
Die Jünger sind beieinander. Jeder von ihnen hatte seine Geschichte der letzten Tage und Nächte mitgebracht. Wie verschieden waren ihre Erlebnisse: Johannes, der die Kreuzigung unmittelbar miterlebt hatte. Er hatte die letzten Worte und Atemzüge seines Meisters gehört. Auch den Todes- und Siegesschrei: »Es ist vollbracht!« Er hatte Verantwortung übertragen bekommen und übernommen (Joh. 19, 26. 27). Petrus, der so bitter über sich selbst enttäuscht war. Gerade in dieser Situation hielten sie an ihrer Gemeinschaft fest. Sie ahnten, dass sie einander brauchten und gerade jetzt zusammenbleiben mussten. Sicher hatten sie auch Angst, sich im Land zu bewegen. Sie hielten »die Türen verschlossen aus Furcht vor den Juden«. Es handelte sich um eine durchaus begründete Furcht nicht nur wegen der jüngsten Ereignisse, immer wieder begegnet uns diese »Furcht vor den Juden«. (Vgl. Joh. 7, 10-13; 9, 20-22.) Jene Juden, die Jesus als ihren Messias ablehnten und darauf drangen, ihn zu beseitigen, drohten den Jesus-Anhängern mit der Ausstoßung aus der Synagoge (Synagogen- Bann). Damit verbanden sich Ausschluss aus dem Judentum, Trennung vom Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, Verlust aller Menschenrechte und Nachstellung der Behörden. Dieses schwere Schicksal hatte unlängst der Herr seinen Jüngern angekündigt (Joh. 16, 2). Wer würde da nicht das große Zittern bekommen? Angst engt das Leben ein. Angst nimmt den Sauerstoff zum Atmen. Es ist wie in einem Bunker. Man kann sich nicht mehr frei bewegen. Die Seele ist geknickt, die Hoffnung glimmt nur noch dumpf vor sich hin. Da geschieht das Unerwartete: Jesus kam »und trat mitten unter sie«. Zum rechten Zeitpunkt ist er da. »Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickest du mich ...deine Rechte wird mich retten« (Ps. 138, 7; lies Ps. 138, 8; 66, 12; 91, 4; Jes. 43, 2).
»Jesus kam! So schlicht, so unspektakulär tritt Jesus zu seinen Jüngern. Er trat mitten unter sie. Vielleicht saßen die Jünger im Kreis beieinander. Wie kann Jesus bei verschlossenen Türen hereinkommen? Antwort: Sein Auferstehungsleib ist nicht materieller Art gewesen und nicht mehr wie ein irdischer Körper an Raum und Zeit gebunden« (G.Maier; vgl. V.26). Jesus spricht seine erschreckten Jünger an, die versagt hatten, die geflohen waren, als es darauf ankam, zu ihrem Herrn zu stehen: »Friede sei mit euch!« Keine Korrektur, keine Ermahnung, keine Zurechtweisung, kein enttäuschter Unterton. Frieden den brauchten sie, jeder Einzelne von ihnen und sie alle miteinander. Dieser Friede fehlte ihnen. Und so sprach dieses vertraute Wort »shalom« hinein in ihre Situation. Shalom das sagten an diesem Tag Tausende zueinander. »Jesus spricht den Gruß, den er wie jedermann bei jeder Begegnung sprach, der aber jetzt in seinem Munde das ganze Evangelium in sich hat« (A. Schlatter). »Friede euch!« ein echtes Trostwort in einer trostlosen Lage. Hier wird deutlich, dieser Friede wird von Jesus selber hergestellt und ist ein Geschenk von ihm. Mehr noch, Christus selbst wird der Friedensfürst seiner Jünger. »Denn er ist unser Friede. Er hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung, die Feindschaft, in seinem Fleisch (durch das Opfer seines Leibes) abgebrochen« (Eph.2,14; vgl. Jes.9,5.6). Finstere Mächte sollen die Jünger nicht länger quälen, ihre Herzen nicht länger beunruhigen, verletzen, zerreißen. Sie sollen im Frieden ihres Herrn geborgen sein. Hier erfüllt sich das Wort des Propheten: »Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt« (Jes. 53, 5; lies Ps. 62, 2. 3; 131, 2; Phil. 4, 7; Kol. 3, 15; 2. Thess. 3, 16).
Jesus machte Frieden durch seinen Tod am Kreuz. Wir sind durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen. Zwischen Gott und uns steht nichts mehr. Wir haben Frieden mit ihm. Das Opfer des »Lammes Gottes« ist vor Gott rechtsgültig, voll und ganz von ihm anerkannt. Das hat der Vater durch die Auferweckung seines Sohnes bestätigt. Was bedeutet das für uns? »Wenn ich im Gericht vor den Thron Gottes treten muss und er mich fragt: Wer bist du?, dann wird, noch ehe ich meinen Mund auftun kann, der Verkläger statt meiner antworten und sagen: Herr, ich habe die Chronik seiner Vergangenheit in meiner Hand. Hier ist die Liste der Heimlichkeiten in seinem Leben, von denen kein Mensch weiß. Hier sind die Worte, mit denen er verleumdete, wehtat und tötete. Hier ist aufgezeichnet, wo er geschwiegen und nichts unternommen hat, als sein Nächster auf ihn wartete. Herr, hier ist das Psychogramm seiner Eifersüchte, seines Hasses, seines Neides, seiner Gier. Das war dieser Mensch, Herr, das ist seine Vergangenheit, so wie ich sie kenne und keiner seiner Mitmenschen, vor denen er Theater gespielt hat. Das ist er, weil das seine Vergangenheit ist. Wenn der große Verkläger so gesprochen hat, wird etwas Wunderbares geschehen. Dann sagt Gott, der Gerichtsherr: Hör auf mit deinen Attacken. Wenn ich frage, wer dieser Mensch da ist, will ich nicht wissen, was er getan hat, denn seine Vergangenheit ist durch das Opfer meines Sohnes durchgestrichen« (P. W. Schäfer). »Wenn der Kläger mich verklagt, Christus hat mich schon vertreten; wenn er mich zu sichten wagt, Christus hat für mich gebeten. Dass mein Mittler für mich spricht, das ist meine Zuversicht« (C. B. Garve). (Lies Luk. 22, 31. 32; Joh. 17, 15; Offb. 12, 10; 20, 10.)
Die Friedenszusage des Herrn erinnert zunächst an den Segen, den der Hohepriester auf das Volk Gottes legte. Wir lesen 4. Mose 6, 24-27. Ist uns aufgefallen, wie eng hier der Segen Gottes mit seinem Frieden verknüpft ist? Die Zusagen beginnen mit dem Segen Gottes (V.24) und enden mit dem Frieden Gottes (V.27). Unter seinem Segen kommen wir zum Frieden. Die Reihenfolge der Tätigkeiten Gottes im Aaronitischen Segen zeigt uns den Weg: Der Herr behütet und beschützt. Bei ihm sind wir geborgen. In allen Bedrängnissen schenkt er Frieden. Der Herr wendet uns sein leuchtendes Angesicht zu. Wir müssen nicht an seiner Heiligkeit verbrennen. Denn er lässt seine Gnade über uns walten. So kommen wir zum Frieden. (Lies 2.Mose 34,6; Ps.86,15; 103,8-13; Luk.1,68. 78. 79.) Gott erhebt sein Angesicht über uns. Er ist erhaben über allem, was uns Not bereitet. Erhaben über Schuld und Sünde. Erhaben über den Problemknoten unserer Sorgen. So kommen wir zur Ruhe, zum Frieden. Der Friede, den Jesus schenkt, erinnerte die Jünger auch daran, was der Herr ihnen kurz vor seinem Tod eingeprägt hatte: »Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!... Das habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden« (Joh.14,27; 16,33). Wir merken, mit Sterben und Auferstehen des Herrn beginnt die wahre »Shalom-Zeit«, die »Heils-Zeit, die den endzeitlichen Segen für das Volk des Eigentums mit sich bringt« (G.Maier). Menschen, die ein Eigentum Gottes geworden sind, hat er auch berufen, Segen zu empfangen und weiterzugeben. (Vgl. 1. Petr. 2, 9; 3, 9.)
Die Friedens-Zusage des Auferstandenen ist eng mit einer anderen Gabe verbunden: Das zweite Geschenk Freude Es ist keine oberflächliche Freude, nicht einfach Glücksgefühl, sondern eine Freude, die vom Kreuz des Herrn ausgeht. Jesus gab den Jüngern eine Glaubenshilfe, indem er ihnen seine Hände und seine Seite zeigte. »Zeigte« meint: Er wies nach, zeigte vor. Jesus enthüllt seinen Jüngern, wie er den Frieden erworben hat. Seine Hände waren am Kreuz von Nägeln durchbohrt gewesen, seine Seite wurde mit einer Lanze tief verletzt. Obwohl der Leib des Herrn nach seiner Auferstehung ein anderer war als sein irdischer, weist er die Verwundungen auf. Nun endlich ist für die Jünger klar: Es ist der Herr! Er lebt! »Da wurden sie froh.« Jesus Auferweckung von den Toten gibt uns tiefen Grund zur Freude. Manchmal gehen wir so missmutig durch den Tag, als wären wir alleingelassen mit unseren Aufgaben oder unserem Kummer. Doch wir sind nicht verlassen. Wir haben einen lebendigen Herrn. »Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten? Er ist nicht hier (im Grab), er ist auferstanden « (Luk. 24, 5. 6a; dazu Apg. 2, 24-32). Du bist nicht alleingelassen mit deinen Anfechtungen, Schmerzen und Nöten. Jesus ist Herr deiner Lage und er will dir wohltun. »Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren« (Jes. 64, 3). Vor Jahren schrieb ein Seelsorger: »Vielen genügt es, die Auferstehung von Jesus Christus in Büchern stehen und als ein wunderbares Ereignis der Vergangenheit gelten zu lassen, aber sie machen nichts daraus für ihr Leben. Und doch gehört es zum Allerwichtigsten, dass wir diesen Heiland haben. Heute lebt er, heute ist er da, heute sollst du seine Kraft erleben.«
Jesus führt aus der Traurigkeit in die Freude. Die zwei Jünger, die sich am Auferstehungstag aufgewühlt und traurig auf den Weg von Jerusalem nach Hause machten, haben das auch erfahren. Wie ist das geschehen? Jesus nähert sich den Niedergeschlagenen und geht nicht vorüber. Er »ging mit ihnen« (V.15b). Anteilnehmend fragte er nach. Irritiert »blieben sie traurig stehen« (V. 16) und machen ihrem Herzen Luft und schütten alle Not bei ihm aus. Einfühlsame Impulse tun nicht nur gut, sie erleichtern auch eine offene Aussprache. Enttäuschter Glaube, enttäuschte Hoffnungen, scheinbar vergebliche Nachfolge, scheinbar missbrauchtes Vertrauen (V. 21. 22. 24) alles darf herausgesagt werden. Und wie hilft Jesus, wie führt er aus dem dunklen Tunnel der Trauer ins Licht, in die helle Freude? Er tadelt, indem er das einseitige Jesus-Bild, das die Jünger von ihm haben, korrigiert (V.19.21a.25.26). Aber der Herr fertigt sie nicht ab. Er legt ihnen das Alte Testament christus zentriert aus, damit sie verstehen können, wie wunderbar Gott sein Wort in Jesus erfüllt hat. Die Herzen der traurigen Jünger kommen über der Verkündigung des Wortes Gottes in Bewegung. Es wird ihnen ganz heiß ums Herz. Dankbar und froh bekennen sie, dass Gottes Wort sie aus der Traurigkeit gerissen hat (V. 32. 33). In ihrer großen Freude laufen die beiden nach Jerusalem zurück. Sie wollen ihre Freude mit anderen teilen. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Wenn wir niedergeschlagen sind oder mit Sorgen beladen, dürfen wir uns bei Jesus aussprechen. Wir können unsere Bibel aufschlagen, um wieder einen klaren Blick dafür zu bekommen: Jesus lebt. Er ist der Grund unserer Freude. Er verwandelt Traurigkeit in Freude. (Lies Matth. 28, 8; Apg. 8, 35-39.)
Das dritte Geschenk der Auftrag Zunächst wiederholt Jesus seinen Friedensgruß. Das zeigt, wie wichtig der Friede des Herrn für seine Jünger ist. »Unter diesem Frieden kann die Mission beginnen« (G. Maier). (Lies Matth. 5, 13a. 14; Mark. 13, 10; 16, 15; 1. Tim. 2, 4; Tit. 2, 11.) Der Missionsbefehl ist das wichtigste Gebot, das Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung gab. Deshalb finden wir es in allen vier Evangelien und in der Apostelgeschichte (1, 8). Bemerkenswert ist, dass Jesus die Sendung seiner Jünger in die Welt mit seiner eigenen Sendung in die Welt vergleicht: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (V. 21b). Das finden wir auch im hohenpriesterlichen Gebet des Herrn: Johannes 17, 18. »Nach jüdischem und biblischem Recht ist der Gesandte wie der Sendende. Die Autorität des Sendenden geht auf den Gesandten über, und im Gesandten kommt der Sendende selbst« (G. Maier). »Wer euch hört, der hört mich« (Luk. 10,16; vgl. Matth.10,40; Joh.13,20). Wir könnten auch sagen: Im Gesandten kommt Jesus selbst. Dabei ist Jesus und seine Sendung in die Welt unbedingter Maßstab für den Auftrag der Jünger. Sie dürfen nicht aus sich selbst verkündigen und handeln, wie auch Jesus sich ausschließlich am Willen des Vaters orientierte (Joh. 4, 34; 5, 30). So können die Gesandten des Herrn »nichts anderes bringen, als was Jesus selbst gebracht hat« (G. Maier). Für einen Gesandten ist und bleibt entscheidend, dass Jesus selber sein Auftraggeber ist. Jesus ruft und beruft, beauftragt und bevollmächtigt. Ihm ist der Gesandte Rechenschaft schuldig. Vielleicht sollten wir uns heute fragen: Wo will der Herr mich haben? Wie nehme ich seinen Auftrag, sein Bote zu sein, wahr? Orientiere ich mich dabei immer wieder neu am Willen des Herrn? (Lies Apg. 10, 42; Phil. 1, 12-18; Kol. 1, 23; 2. Tim. 1, 8a.)
Wir können es uns nicht tief genug einprägen: Jesus beruft und sendet uns wie der Vater den Sohn gesandt hat. Was kennzeichnet diesen Sendungsauftrag? Verzicht auf Machtentfaltung. »Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig« (Matth. 11, 29a; lies Joh. 13, 3-5. 12-17). Abhängigkeit von Gott und seinem Wort. Wir leben »von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt« (Matth. 4, 4; vgl. 1. Sam. 3, 10; Joh. 15, 5. 7). Wehrlosigkeit. »Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben« (Matth. 10, 16; vgl. Jes. 53, 7). Ein klarer Auftrag. Es geht hier nicht zuerst um Probleme, die gelöst werden müssen, sondern um einen klaren, eindeutigen Auftrag. In einer neueren Bibelübertragung heißt es: »Gott hat uns beauftragt, die Botschaft überall zu verkündigen« (2.Kor.5,18). Wir sprechen vom Missions-Befehl und nicht vom Missions-Vorschlag. Es ist nicht in unser Belieben gestellt, ob wir Gesandte sein wollen oder nicht. Wir sind es, weil wir zu Jesus gehören. Der Apostel Paulus erinnerte die Christen in Korinth: »Wir sind Botschafter von Christus... « (2.Kor.5,20). Es passiert leicht, dass wir vergessen, welchen Auftrag wir haben. Dem Teufel gefiele es besser, wenn wir alles andere tun würden, als unseren Glauben mit anderen zu teilen. Es ist ihm kein Problem, uns alle möglichen guten Dinge tun zu lassen, solange wir dabei niemandem den Weg zu Jesus zeigen. Aber sobald wir den Missionsauftrag ernst nehmen, wird der Feind uns angreifen und versuchen, uns abzulenken und aufzuhalten. Wenn wir Gottes Auftrag ausführen wollen, werden wir uns auf Kampf einstellen müssen und viel Gebet brauchen. (Lies 1. Kor. 16, 9; Eph. 6, 10-13. 15. 16. 18. 19; Kol. 4, 3; 1. Petr. 5, 8.)
Was kennzeichnet den Sendungsauftrag unseres Herrn? Ein vielfältiger Auftrag. Wohin sendet uns der Herr? Zu den Menschen, mit denen wir Kontakt haben: am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, beim Einkaufen, beim Arzt, beim Spazierengehen oder Wandern, in der Familie . . . Jesus schenkt immer wieder von ihm vorbereitete Begegnungen, und wir müssen nicht verbergen, wem wir angehören, wer unser Herr ist. Wie zeigt sich das in Apostelgeschichte 16, 25-34? Ein unaufschiebbarer Auftrag. Ein Prediger hatte einen Vater, der über 50 Jahre Pfarrer in kleinen, ländlichen Kirchengemeinden war. Er war ein einfacher Prediger, aber ein Mann mit einem Blick für die Mission. Seine Lieblingsbeschäftigung bestand darin, mit Teams von Freiwilligen in Übersee Räumlichkeiten für kleine Gemeinden zu bauen. Im Jahr 1999 starb der Vater. In seinen letzten Tagen saß der Sohn viel am Bett des halb bewusstlosen Vaters. Eines Nachts wollte dieser aufstehen, war aber viel zu schwach dazu. Doch er bestand darauf aufzustehen. Auf die Frage: »Was willst du tun?« antwortete er: »Ich muss noch einen für Jesus retten.« Diesen Satz wiederholte er immer wieder. Der Sohn berichtet: »Während ich an seinem Bett saß und mir die Tränen über die Wangen liefen, senkte ich meinen Kopf und dankte Gott für die Treue meines Vaters. In diesem Moment streckte Vater seine zerbrechliche Hand aus, legte sie auf meinen Kopf und sagte, als ob er mich beauftragen wollte: Rette noch einen mehr für Jesus. Rette noch einen mehr für Jesus. Ich beschloss, dass dies für den Rest meines Lebens mein Motto sein sollte, denn nichts wird für die Ewigkeit größere Bedeutung haben.«
Jesus weiß, dass seine Jünger den Auftrag nur in der Vollmacht des Heiligen Geistes ausführen können. Darum (wörtl.) »haucht« er sie zum Empfang des Heiligen Geistes an. Wie einst der Schöpfer in Adams Nase den Atem des Lebens einhauchte, damit der Mensch lebendig wurde (1. Mose 2, 7), so weist das »Anhauchen« der Jünger auf die Neuschöpfung des Menschen durch den Heiligen Geist hin. Außerdem stellt Jesus klar, dass seine Gesandten ohne den Heiligen Geist auf verlorenem Posten stehen. Ein geistlicher Auftrag kann nur geistlich durchgeführt werden. (Siehe Joh. 6, 63; 3, 6.) Dass der auferstandene Herr seine Jünger schon vor der offiziellen Sendung des Heiligen Geistes am Pfingsttag anhaucht, ist wie die Anzahlung von einer umfassenden Gabe. Hier im Jüngerkreis beginnt sich also zu erfüllen, was Jesus in seinen Abschiedsreden zusagte: »Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit« (Joh. 14, 16). Dasselbe gilt für den Auftrag, den die Gesandten erfüllen sollen: »Wenn aber der Tröster kommen wird,... der Geist der Wahrheit,... der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr werdet meine Zeugen sein« (Joh.15,26.27a). Der Heilige Geist, der Zeugnis von Jesus ablegt, ist also auf Jesus Christus konzentriert. Der Geist macht Jesus groß. So soll es auch bei den Jünger-Gesandten zugehen. Wir haben uns immer wieder zu prüfen: Wen oder was machen wir groß, wenn wir das Evangelium mit anderen teilen: Unsere Gemeinde, unseren Haus- oder Bibelkreis, unsere Erkenntnis, unsere Strategien? Wir haben keinen Auftrag, uns selber wichtig zu machen, sondern Jesus und Jesus allein. So haben es später die Apostel stets gehalten. (Lies Apg. 2, 22-24. 36; 4, 12; 10, 34-43; 1. Kor. 2, 2; 2. Kor. 4, 5.)
Nichts braucht ein Jesus-Jünger so sehr wie ein Leben, das unter der Leitung des Heiligen Geistes steht, ja, vom Heiligen Geist erfüllt ist. Der Diakon Stephanus war »ein Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes« (Apg. 6, 5; 7, 55). Worum geht es? Der Apostel Paulus hebt hervor: »Werdet voll Geistes!« (Eph. 5, 18b). Das bedeutet, dass wir dem Heiligen Geist, der »in uns wohnt« (Röm. 8, 9), auch tatsächlich Raum geben. Wenn er uns im Gebet oder beim Lesen (Hören) des Wortes Gottes »erinnert«, »ermahnt«, »leitet«, geben wir ihm Raum, indem wir tatsächlich tun, was er uns gesagt hat. Wir beleidigen ihn, wenn wir ungehorsam sind. In der »Zusammenarbeit« mit dem Heiligen Geist werden wir es lernen, unser »Lebenshaus« zu ordnen und in Ordnung zu halten. Wir lernen es, Sünde zu bekennen, loszulassen, zu überwinden. Das bedeutet nicht, dass wir auf der Erde einen sündlosen Zustand erreichen. Es bedeutet aber, dass wir sehr sensibel werden für die stillen Impulse des Heiligen Geistes und ihnen gehorchen. Dabei kann uns ein winziger Merk-Satz helfen: »Tu's gleich!« Gehorsam entkrampft, befreit, beflügelt nicht zuletzt zum Dienst: »Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.« Wie können die Jünger »vergeben« oder »nicht vergeben «? Zum einen in der Beichte. Hier darf ein Jünger die Vergebung zusprechen, wenn Schuld ausgesprochen und vor Gott bekannt wird. Er darf die Vergebung nicht zusprechen, wenn der Betreffende entschlossen ist, weiter zu sündigen (vgl. Joh. 5, 14; 8, 11). Zum anderen durch die Verkündigung des Evangeliums: »Jesus nimmt die Sünder an.« Jeder, der sich IHM anvertraut, wird herausgerettet aus der Macht der Finsternis. Er erfährt Vergebung seiner Sünden und wird hineingerettet in das Reich Gottes, in dem Jesus Herr ist.
Warum Paulus der Gemeinde in Kolossä schrieb Der Kolosserbrief gehört zu den Gefangenschaftsbriefen des Paulus (Kol. 4, 3. 10. 18). Der Apostel verfasste ihn, wie auch den Epheserbrief, etwa um das Jahr 60 n. Chr. und vertraute die Überbringung beider Schreiben Tychikus an (vgl. Eph.6,21.22; Kol.4,7.8). Dieser wird von dem bekehrten Sklaven Onesimus aus Kolossä begleitet (Kol. 4, 9). Die Stadt lag etwa 16 km östlich vom heutigen Denisli in der Türkei entfernt. Mit ihrer Textilindustrie gehörte Kolossä, wie auch das nahe gelegene Laodizea (2,1; 4,16), zu den wohlhabenden Städten. Die Christengemeinde in Kolossä hatte Epaphras, der sehr geschätzte Mitarbeiter des Paulus, gegründet und geleitet. Von ihm, der zur Zeit der Abfassung des Kolosserbriefes bei Paulus ist, erfuhr der Apostel viel Erfreuliches, aber auch besorgniserregende Nachrichten. Irrlehrer waren in die Gemeinde eingedrungen. Sie versuchten, die Christen vom klaren Evangelium, wie Epaphras es gelehrt hatte, abzulenken. Auch wenn der Apostel die Gemeinde nie persönlich kennengelernt hatte, nahm er seine geistliche Verantwortung für sie wahr. Er trug sie nicht nur auf betendem Herzen, sondern konfrontierte sie auch mit der Wahrheit des Evangeliums, wie der erhöhte Herr sie ihm offenbart hatte. (Vgl. Gal. 1, 11. 12; 1. Tim. 6, 3-5.) Wir sind nicht Apostel, aber »Gesandte an Christi statt«, denen er den wichtigsten aller Dienste anvertraut hat: die Botschaft von der Versöhnung mit Gott. (Lies 2.Kor.5,15.21; Matth.28,18-20.) Wie gehen wir mit dieser Verantwortung um? Ist die Mitte noch die Mitte? Müssten wir unser persönliches und gemeinsames Leben vielleicht ganz neu ausrichten? Jesus hat uns eine Orientierungshilfe gegeben, die unser Vertrauen auf Gottes Treue und Fürsorge herausfordert: Matthäus 6, 30-34 und Lukas 10, 41. 42. So vertraut uns diese Worte sind, so ernst wollen wir sie nehmen und unseren Alltag tatsäch lich nach ihnen ausrichten.
Die jungen Christen-Gemeinden in Kleinasien, zu denen auch die Gemeinde in Kolossä zählte, mussten sich besonders vor zwei religiösen Strömungen schützen: Jüdische Irrlehrer redeten der Gemeinde ein, dass durch Beachtung jüdischer Speisegebote, jüdischer Feste und durch den Ritus der Beschneidung, ja, durch das Halten des Gesetzes eine vollkommene Heiligung zu erreichen sei (2,11-16). Gleichzeitig waren gnostische Irrlehrer da. Die Ursprünge ihrer Lehre lagen in der orientalischen Mystik und der griechischen Philosophie. Auch sie untergruben das Vertrauen auf die vollkommene Erlösungstat des Herrn Jesus Christus, indem sie von »höherer Erkenntnis«, von gleichrangiger Geisterwelt (2, 8. 10. 15. 18), von philosophischer Welterklärung (2, 4. 8. 23) und menschlichen Überlieferungen (2, 8) sprachen. Mit gelehrten Worten tarnten sie ihren Anspruch, das Erlösungswerk ergänzen zu wollen. Angesichts der schleichenden Zersetzung eines an Jesus allein orientierten Glaubens malt Paulus der angegriffenen Gemeinde immer wieder die Herrlichkeit des Sohnes Gottes vor Augen und lenkt die Herzen der Glaubenden auf die wunderbare Zukunft bei Gott hin. Es ist wichtig, dass wir die Kennzeichen falscher Lehre benennen können. Doch viel wichtiger ist unsere Konzentration auf Jesus und Jesus allein. Wir können und müssen nicht in allem Bescheid wissen, aber wir müssen das Gute gut kennen: das Wort Gottes. Dieses Wort stärkt, ermutigt, ermahnt und korrigiert uns. Es schenkt Klarheit und Durchblick, Mut und Freimut, Jesus Christus, und wie wir ihn im Alltag erleben, zu bezeugen. Die Konzentration auf Irrlehren verwirrt, die Konzentration auf Jesus und sein gutes Wort entwirrt und entbindet von unbiblischen Lehren und ungeistlicher Lebensführung. »Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht. Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.« (Lies Ps. 16, 8-11; 2. Tim. 3, 13-17; 2. Petr. 1, 19-21.)
Das haben wir an Jesus Wie alle anderen Briefe beginnt auch der Kolosserbrief mit der Angabe des Absenders und der Adressaten. Paulus nennt sich »Apostel von Jesus Christus nach dem Willen Gottes«. Er hat die Berufung in dieses Amt nicht selber gewählt. Von höchster Instanz wurde er dazu berufen, Juden und Nicht- Juden das Evangelium von Jesus Christus zu bringen (Apg.9,15.16). Noch im hohen Alter war der Apostel sehr beschämt und dankbar zugleich, was die Gnade Gottes in seinem Leben vermochte. Mit ergreifenden Worten schrieb er davon seinem geistlichen Sohn und Mitarbeiter Timotheus, der jetzt bei ihm ist und dem väterlichen Freund beisteht. Wir vertiefen uns in 1. Timotheus 1, 12-18 und überlegen: Wie habe ich die Gnade und das Erbarmen Gottes in meinem Leben erfahren? Paulus nennt die Christen der Gemeinde in Kolossä »heilige und gläubige Brüder in Christus«. Vielleicht hat mancher, als er das hörte, sich erschrocken ans Herz gefasst: Bin ich das wirklich? Heilig und gläubig? Ja, das bist du!, hätte Paulus geantwortet, heiliger und gläubiger kannst du nicht werden. Denn Jesus lebt nicht nur in dir, du lebst auch »in Christus«. Du bist nicht nur zum Glauben an Jesus gekommen, sondern lebst auch im Glauben an den Herrn, der dich »gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus« (Eph. 1, 3). In diesem Sinn grüßt Paulus die ganze Gemeinde in Kolossä: »Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater!« Der Apostel erinnert daran: Der heilige, unnahbare Gott schaut uns voller Liebe und Erbarmen an. Das tut er um seines Sohnes willen, der uns mit seinem Gang ans Kreuz die Gnadenfülle Gottes erschloss, und wir dürfen zu Gott »Abba, lieber Vater« sagen. (Vgl. Röm. 8, 15; Gal. 4, 6.)
Hätte Paulus nicht damit zufrieden sein können, die Kolosser »in Christus« zu wissen? War das nicht genug? Das ist doch die sicherste Stellung, die ein Christ haben kann. Gewiss, so ist es. Doch der Widersacher Gottes schläft nicht. Er versucht alles, die Jesus-Nachfolger zu erschrecken und zu entmutigen, hinters Licht zu führen und zu verwirren. Er kann sich sogar als »Engel des Lichts« verstellen, Bibelworte zitieren und mit »Gott« argumentieren: 2. Korinther 11, 14; Lukas 4, 9-11; 1. Mose 3, 1. Der Apostel weiß, wie bedroht der Glaube der Christen in Kolossä ist. Aber er kennt auch die Schutz- und Trutzwaffe des Gebets: Bitte und Fürbitte, Lob und Dank. Wie einen Vogel im Käfig hielten sie Paulus gefangen, die Flügel des Gebets aber konnten sie ihm nicht stutzen. Immer wieder, zu jeder Tages- und Nachtzeit, beteten er und Timotheus für die Gemeinde in Kolossä. Die beiden Beter waren mit Dank erfüllt, wenn sie an die Gläubigen dachten. Wenn Satan uns gegeneinander aufbringt, wenn wir schlecht übereinander reden, wenn wir uns miteinander entzweit haben, wenn wir uns von Antipathie und Misstrauen zueinander leiten lassen, müssen wir keine Minute länger in dieser geistlichen und zwischenmenschlichen Zerrissenheit verharren. Gehen wir ins Gebet! Fangen wir an, füreinander zu beten und zu danken. Wir mögen uns wie Heuchler vorkommen, und tatsächlich haben wir selber für manche Schärfe und Schroffheit, für Parteilichkeit und Rechthabereien um Vergebung zu bitten, aber der Dank für unseren Bruder, für unsere Schwester hat eine große klärende und befreiende Kraft. Dann wird Menschenfurcht oder Menschengefälligkeit, Unterwürfigkeit oder Überheblichkeit weichen müssen und die wohlwollende Güte Gottes in unsere Gemeinschaft Einzug halten. (Lies Eph. 1, 16; Phil. 1, 3-7; 1. Thess. 2, 13; 3, 9; 2. Thess. 1, 3; 2, 13.)
Das Gemeindeleben in Kolossä wurde von einer dreifachen Schnur zusammengehalten von Glaube, Liebe und Hoffnung. Paulus und Timotheus danken für den Glauben an Jesus Christus (vgl. Apg. 16, 30-34); die Liebe zu allen Heiligen, das heißt zu allen, die an den Sohn Gottes als ihren Retter glauben; die Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott, das er im Himmel für alle, die sich Jesus Christus anvertraut haben, bereithält. »Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung von Jesus Christus von den Toten, zu einem unvergänglichen und makellosen und unzerstörbaren Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt wird« (1.Petr.1,3.4). »Das Wort der Wahrheit«, das befreiende Evangelium, war nicht vergeblich in Kolossä verkündigt worden; »denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben« (Röm. 1, 16). Ihnen ruft der Apostel zu: »Ihr habt die Gnade Gottes in Wahrheit erkannt« (V. 6b). Dieses Erkennen kam nicht durch logische Gedankenarbeit zustande. Der Heilige Geist ist es, der die inneren Augen öffnet. Durch ihn wird uns der Zugang zu Gottes Gnade und Wahrheit erschlossen. Das gilt bis heute. Wer's erfahren hat, darf nun für andere bitten, »dass der Vater der Herrlichkeit euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat« (Eph.1,16ff; lies Röm. 5, 5; Hebr. 6, 18. 19).
Wurzeln schlagen »So habt ihr es gelernt von Epaphras, unserem geliebten Mitarbeiter.« Er leitete und begleitete die Gemeinde, indem er die dienende Jesus-Liebe ganz ernst nahm. Er selber ließ sich immer neu von ihr beschenken. Und da er selbst aus der Liebe des Herrn lebte, konnte er sie auch weiterschenken. Man spürt es Mitarbeitern ab, ob sie ihre Aufgaben »als Job erledigen« oder die ihnen Anvertrauten mit der Jesus-Liebe ermutigen, trösten, ermahnen, korrigieren und sie mit Sorgfalt lehren, ordnen, anleiten, delegieren. Allerdings ist die Jesus-Liebe nicht ein Privileg der Gemeindeleiter und Mitarbeiter. Jeder Christ ist durch die Liebe, mit der Jesus ihn liebt, beschenkt worden; »denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist« (Röm.5,5b). Epaphras konnte dem Apostel die »Liebe im Geist«, die in seiner Gemeinde wirksam war, bezeugen. Eine durch Sympathie bewirkte Liebe ist uns geläufig. Wie steht es aber mit der Liebe, die der Heilige Geist bewirkt? Sie beruht nicht auf menschlicher Anziehungskraft. Sie ist nicht machbar und kommt auch nicht aus unserem Innern. Sie kommt aus dem Herzen Gottes, der uns seine Liebe dadurch erwiesen hat, dass Christus für uns starb, als wir noch von Gott getrennt in unseren Sünden lebten. (Lies Röm. 5, 6-10.) Die Retter-Liebe des Herrn Jesus Christus ist das neue und ewige Fundament unseres Lebens. Hier sollen und dürfen wir Wurzeln schlagen, unsere Lebenswurzeln in die fundamentale Jesus-Liebe immer tiefer einsenken. »So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe des Christus erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle « (Eph. 3, 18. 19; vgl. 1. Joh. 4, 19; 2. Kor. 5, 14. 15).
Die Liebe Gottes ist der Ausgangspunkt wirksamer Fürbitte. Der Inhalt des Gebets befasst sich mit dem gesunden geistlichen Wachstum der Gemeinde. »Denn ihr sollt so leben, wie es dem Herrn Ehre macht, und stets tun, was ihm gefällt. Euer Leben soll als Frucht gute Taten aller Art hervorbringen, und ihr sollt immer besser verstehen, was Gott von euch will.« Wenn Paulus und Timotheus so ausführlich von ihrer Fürbitte berichten, können nicht nur Mitarbeiter, sondern auch jedes Gemeindeglied davon lernen, schließlich hat Jesus jeden seiner Nachfolger zum Dienst berufen (Gal. 5, 13; 1. Petr. 4, 10). An Paulus und Timotheus sehen wir erstens: Zum individuellen Gebet gehört das gemeinsame Beten zu zweit, in einer kleinen Gruppe, in der Gemeindeversammlung. (Lies Matth. 18, 20; Apg. 1, 13. 14; Jak. 5, 13-16; Apg. 12, 5. 12; Eph.6,18.) So sehr jede »Gebets-Form« für sich genommen ihre Berechtigung und Bedeutung hat, so sehr braucht sie die Ergänzung durch jede der anderen Formen. Wie nehmen wir diese Verantwortung füreinander ganz praktisch wahr am Werktag und am Sonntag? Warum brauchen Christen Ausgewogenheit der einzelnen Gebets-Formen? Von Paulus und Timotheus lernen wir zweitens: Das Gebet braucht einen langen Atem. »Deshalb hören wir auch nicht auf... für euch zu beten und zu bitten« (V.9; vgl. 1.Thess.1,2.3). Was kann uns vor »Kurzatmigkeit« im Gebet helfen? Zum einen: Wir müssen nicht stundenlang beten, und Gott und den Mitbetern erst recht keine »Vorträge« halten. Kurze, klare Gebete einmal, zweimal, dreimal, oftmals am Tag, das macht den langen Atem. Zum anderen: Wir haben einen Hohenpriester, der uns trägt und uns beim Vater vertritt. Und wir haben den Geist Gottes, der sich unserer Schwachheit, unseres Seufzens und unserer Hilflosigkeit annimmt. Wir lesen betend Lukas 22, 31. 32; Johannes 17, 11. 15; Hebräer 4, 14-16; 7, 24. 25 und Römer 8, 26.
Paulus und Timotheus vielleicht haben sich auch Lukas und Demas (4, 14) gelegentlich an der Gebetsgemeinschaft beteiligt hören nicht auf, für die Kolosser zu beten, damit der Feind des Gebets keine Lücke findet, durch die er in die Gemeinschaft hineinschlüpfen und Schaden anrichten kann. Sie bitten, dass die Kolosser »mit der Erkenntnis SEINES Willens erfüllt werden«. Es genügt nicht, nur zu wissen, was Gott will. Es ist dem Herrn wichtig, dass wir von seinem Wort erfüllt sind. Dann können wir dem Eigensinn und der Unbelehrbarkeit den Rücken kehren. Wie erkennen wir Gottes Willen? Äußerst selten durch außergewöhnliche Erlebnisse, Träume oder Visionen wie man den Kolossern vielleicht gesagt hatte. Nicht geheime Neugier soll befriedigt werden, die gerne ungewöhnliche und angeblich tiefere Erkenntnis über die unsichtbare Welt oder den Kosmos gewinnen will. Biblische Erkenntnis, geist liche Einsicht und göttliche Weisheit sind in Christus zugänglich, an keinem anderen »Ort«. Christus offenbart sich durch sein Wort. Dabei geht es wieder sehr praktisch zu. Die geistlichen Eigenschaften werden uns gegeben, damit wir des Herrn würdig leben (vgl. Eph. 4, 1. 2). Unsere Umwelt soll es ruhig wissen, dass wir uns von der Lebensweise der von Gott gelösten Welt unterscheiden. Wir haben eine Hoffnung, derer wir uns nicht schämen müssen und die uns keine Gewalt entreißen kann. Paulus hatte eine Vorstellung davon, wie ein Leben zur Ehre des Herrn aussehen sollte. Es geht darum, in allem zu handeln, wie es Gott gefällt (lies 1. Thess. 2, 10-13); ein Leben zu führen, das als Frucht gute Taten aller Art hervorbringt (dazu Joh. 15, 16; Eph. 2, 10; Hebr. 13, 21); in der Erkenntnis Gottes zu wachsen. Wir brauchen nichts so sehr wie den guten Nährboden des Wortes Gottes konkret: das persönliche und gemeinsame Bibelstudium. (Lies Apg. 17, 10-12; 2. Tim. 3, 15. 16.)
Offenbar waren die Kolosser durch eine vom biblischen Evangelium abweichende Lehre versucht, zum eigenen Ruhm nach Erkenntnis und Weisheit zu trachten. Ihnen wurden unterschiedliche Hilfsmittel angeboten (Kol.2,16-23). Engel- und Geistermächte, Gesetze und Regeln sollten sie in die Höhen geistlicher Erkenntnisse bringen, die alles Unvollkommene überflügeln sollten. Das ist nicht »des Herrn würdig«. Er schenkt uns Einblick in sein Wesen, damit wir ihn ehren. Nicht nur mit unseren Lippen, sondern mit unserem Leben. Im Alltag zeigt es sich, wie viel Erkenntnis Gottes wir wirklich haben. Paulus erbittet für die Kolosser geistliches Wachstum. Es beginnt mit der Gabe des neuen Lebens in uns, d.h. wenn wir Jesus unser Herz öffnen und er einziehen darf. (Vgl. Joh. 1, 12; 17, 26; Kol. 1, 27.) Dann aber geht es darum, dass die Jesus-Art in uns wächst. Mit dem geistlichen Wachstum wird auch die Glaubenskraft zunehmen, die sich in einem vertieften Vertrauen zu Gott äußert. Wer seinen Herrn wirklich kennengelernt hat, wird es auch lernen, ihm alles zuzutrauen. So jemand kommt nicht auf die Idee, zusätzliche Kraftquellen zu suchen und zu beanspruchen. In Christus ist alles, was wir brauchen. Dieser gute Herr beschenkt uns auch mit Geduld und Langmut, in unseren Anfechtungen durchzuhalten. Denn die Gefahr der Irreführung verschwindet nicht einfach über Nacht, sie kann sogar zunehmen. Aber Gott ist treu. Er wird nicht zulassen, dass die Prüfung über unsere Kraft geht. (Lies Ps. 66, 10-12; 1. Kor. 10, 13; 1. Petr. 4, 12. 13.) Wir dürfen gewiss sein: Eines Tages werden wir mit allen Erlösten des Herrn in die ewige Herrlichkeit aufgenommen und mit einem unvergänglichen Erbe beschenkt werden. Wer wollte da nicht dem Vater »mit Freuden Dank sagen«?
Es ist alles vollbracht Auf die Blickrichtung kommt es an! Wir erleben Zeiten, in denen uns unsere Unvollkommenheit schmerzlich bewusst wird. Wir sehen bei uns und anderen Fehler über Fehler, Lieblosigkeiten und Versagen. Wir sind festgefahren, kommen nicht vorwärts und können nicht zurück. Die Wellen der Mutlosigkeit werden immer höher, die Mauern des Trotzes dicker. Wir würden gerne etwas unternehmen, um die missliche Lage aufzuhellen. Alle Bemühungen scheitern, bis wir erfassen und uns im Glauben immer wieder auf die Tatsache stützen: »Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.« Wir tappten in unserer persönlichen Finsternis umher und suchten nach dem Lichtschalter und hatten vergessen, dass längst Licht ist. Er, Jesus Christus, hat es gebracht. Er hat unser Leben hell gemacht. Wir müssen nicht mehr länger das Dunkel unseres Wesens betrachten. Dafür ist er aufgekommen und hat die Schuld bezahlt. »In ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.« Der Autofahrer weiß es: Wenn er beim Fahren nicht geradeaus schaut, wird er gegen ein Hindernis stoßen und Schaden nehmen. Der Blick in die falsche Richtung bringt aus der Spur. So wird es uns ergehen, wenn wir den Herrn nicht vor Augen haben. Der Blick auf mich selbst und auf andere irritiert mich so sehr, dass ich vergesse, was Jesus für mich getan hat. Der Sieg auf Golgatha ist wirklich vollbracht. Ich bin erlöst und befreit, ich habe neues Leben, ich bin berufen in sein Reich und habe Gemeinschaft mit Christus. Paulus wird nicht müde, den Kolossern und uns einzuprägen: Schaut auf Jesus und noch einmal schaut ihn an! (Lies Ps.16,8-11; 25,15; 34,6; 63,2.3; Matth.17, 8; Kol. 3, 1-3.)
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.