PIONIER FÜR JESUS – JOHANNES DER TÄUFER (I)

Dienstag, 1.April Lukas 1, 5. 57-63. 1.

Einblick in die Zeitgeschichte

Johannes wurde »zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa«, geboren. Dieser regierte in Israel unter römischer Oberherrschaft von 37-4 v. Chr. und trug den Beinamen »der Große«. Er verdiente sich den Titel durch seine beeindruckende, erfolgreiche Bautätigkeit. Doch das jüdische Volk lehnte ihn überwiegend ab. Denn die diplomatische wie brutale Politik des Herrschers wurzelte in Misstrauen, Hass und Eifersucht. Er war ein großer Tyrann und kaltblütiger Mörder. (Vgl. Matth. 2, 7. 8. 13-18.) Als Halbjude und Freund Roms verletzte Herodes auf Schritt und Tritt das religiöse Gewissen der frommen Juden. Das jüdische Volk, das darüber hinaus schon Jahrhunderte lang bedrängt und unterdrückt war, sehnte sich nach einem gerechten, gottesfürchtigen Regenten. Viele warteten sehnsüchtig auf den schon lange versprochenen Messias Gottes. (Vgl. Luk. 2, 25-32. 36-38.) Von ihm erhofften sie Befreiung von Angst und Fremdherrschaft und die siegreiche Aufrichtung der Königsherrschaft Gottes auf Erden. Wenn die Zeit in den Augen Gottes reif ist, will er selbst zu seinen bedrängten Leuten kommen und ihnen helfen. »Ich will Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt« (Ps. 12, 6; lies Ps. 31, 16. 17; 102, 14; Jes. 49, 8-10; Jer. 29, 10-13; Nah. 1, 7; Luk. 2, 6; 1. Petr. 5, 6. 7; Hebr. 4, 16). Keine Stunde, kein Tag ist so verzweifelt dunkel, trostlos und schwierig, dass Gott nicht einen Weg der Rettung zu bahnen wüsste. (Lies 2.Mose 14, 13. 14; 2.Chron. 20, 15-17. 29. 30; Ps. 32, 5-7; Dan. 6, 27. 28; 2.Tim. 4, 16-18.)

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Mittwoch, 2.April Lukas 1, 5. 6; 5.Mose 10, 12. 13. 2.

So war’s zu Hause

Zuerst wird uns Vater Zacharias vorgestellt. Er war von Beruf »ein Priester aus der Abteilung des Abija«. König David hatte einst die jüdische Priesterschaft in vierundzwanzig Dienstgruppen eingeteilt (1. Chron. 24, 3ff). Jede Abteilung musste zweimal jährlich den Dienst im Tempel acht Tage lang versehen. Zacharias gehörte nicht zur priesterlichen Führungsspitze; denn diese bestand aus den Priestern der ersten Dienstgruppe. Zacharias zählte zur achten (1. Chron. 24,10). Verheiratet war er mit Elisabeth, die wie ihr Mann priesterlichem Hause entstammte. (Vgl. 2.Mose 28, 1.) Mit diesem Ehepaar wollte Gott Geschichte machen. Dabei kommt es ihm nicht in erster Linie darauf an, ob einer in leitender oder untergeordneter Position lebt und arbeitet. Entscheidend ist die Liebe und Treue zu ihm und seinem Wort. Die konnte Gott bei Zacharias und Elisabeth finden. Sie bemühten sich darum, ihr Leben am Willen Gottes auszurichten. »Wohl dem Menschen, der Lust hat an den Weisungen des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit« (Ps.1,2.3; Jos.1,8; Jer.17, 7. 8). Die konsequente Orientierung am Wort Gottes fällt umso mehr auf, je gottloser die Umwelt lebt. Im Blick auf das Milieu damals ist aber nicht nur an König Herodes und seine Parteigänger zu denken. Jüdische Kommentare belegen, »dass gegen sämtliche Priesterklassen mehr oder weniger schwer belastende Anklagen im Umlauf waren« (Strack-Billerbeck). Die Sünde macht vor den Haus- und Herzenstüren derer, die ihr Leben Gott anvertraut haben, nicht einfach Halt. (Vgl. 4.Mose 12; 2.Sam. 11; Hes. 34, 1-10; Apg. 5, 1-11.) Zacharias und Elisabeth aber hielten Gott die Treue. Sie werden einander ermutigt und auch miteinander gebetet, über Gottes Wort nachgedacht und gesprochen haben. Die persönliche Gemeinschaft mit Gott und die Gemeinschaft miteinander schenkt Kraft, dem Bösen zu widerstehen (1.Thess.5,11).

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Donnerstag, 3.April Lukas 1, 7; 1.Mose 18, 10-13.

In der Ehe von Zacharias und Elisabeth lief nicht alles glatt und nach Wunsch. Besonders ihre Kinderlosigkeit lag als schwere Last auf dem gemeinsamen Lebensweg. Viele Jahre hatten sie um Kinder gebetet. Wie einst Sara und Hanna, so litt auch Elisabeth tief an dieser Not (1.Mose 11,30; 1.Sam 1,10.11). Schließlich war das Ehepaar Zacharias und Elisabeth zu alt geworden, um noch Kinder bekommen zu können. Gott mutet seinen Leuten auch Schweres zu. Wir vermögen diese »anderen« Gedanken und Wege Gottes sehr oft nicht zu verstehen. Dennoch dürfen und sollen wir es lernen, dem allmächtigen Gott immer wieder unser Vertrauen zu schenken. Er ist ganz und gar vertrauenswürdig. (Lies 1.Mose 18,14; Jer.32,27; Dan.9,18; Ps. 94,19; 66,10-12.) In seiner Vertrauensschule schützt Gott uns vor Groll und Resignation. Hier bereitet er die Seinen auf neue Wege vor. Zacharias und Elisabeth sollten erfahren, dass der Kummer ihrer Kinderlosigkeit das Nadelöhr bildete, durch das Gott einen wunderbaren Plan einzufädeln gedachte. »Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Flehen ist erhört: Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen.« – An diesem Tag will ich vor Gott überlegen: Welcher konkrete Vertrauensschritt ist heute für mich dran? Bin ich bereit, meinem Gott auch dann zu vertrauen, wenn er die vielen Gebete scheinbar nicht erhört? – Warum ist es wichtig, dem Herrn immer wieder mein persönliches Vertrauen auszusprechen? Psalm 73 verdient hier unsere besondere Beachtung.

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Freitag, 4.April Lukas 1, 13-25; 1.Mose 18, 1-14.

Der Engel Gabriel verkündigte Zacharias während einer Gebetsstunde im Tempel (Luk. 1, 8-12), was Gott für ihn und seine Frau tun wollte. Wie einst bei Abraham erfüllte er dem Ehepaar nicht nur einen persönlichen Wunsch. Der Herr verfolgte mit der Geburt des Nachkommen vor allem ein geistliches Ziel. Während Abraham durch den Glauben an Gottes unbegrenzte Schöpfermacht der »Vater« des alten Israel wurde (Hebr.11,11.12), sollte Zacharias der »Vater« eines neuen Israel werden. Dabei ging es Gott vorrangig um eine lebendige Vertrauensbeziehung zu ihm. Der durch Glauben gezeugte Sohn des Zacharias sollte in der Kraft des Heiligen Geistes das untreue Volk Gottes zur Herzensumkehr zum Herrn bewegen und eine neue Zeit einläuten, die Zeit der Gnadenzuwendung Gottes zur ganzen Welt: »Alle Ungehorsamen wird er auf den rechten Weg zurückbringen und so dem Herrn ein Volk zuführen, das auf sein Kommen vorbereitet ist« (Luk.1,17; lies Luk.1,76-79). – Geistliche Ziele können nur auf geistlichem Weg erreicht werden. Das sollte an dieser Nahtstelle der Heilsgeschichte offenkundig werden. Der Priester Zacharias kannte die Gedanken Gottes, war er doch mit dem Wort Gottes vertraut. Jetzt aber misstraute er dem Wort. Er kannte die biblischen Geschichten aus dem Effeff; jetzt aber ließ er sich vom Zweifel überwinden, anstatt den Zweifel mit Gottes Hilfe zu besiegen. Darum musste der altgediente Priester am eigenen Körper erleben (V. 20), dass Gott durchaus in der Lage ist, das Unmögliche zu tun. Die Zeichensprache Gottes ist nicht immer angenehm und leicht zu verkraften. Aber sie kommt aus einem Herzen, das in Liebe für uns schlägt, und sie enthält die Chance eines Neuanfangs. Zacharias sollte erkennen und erfahren, dass der Herr, den er schon so lange kannte und liebte, durchaus in der Lage sein würde, an seinen »verwelkten« Lebenskräften zu arbeiten, ihnen neue schöpferische Kraft zu schenken. So lernten die verstummten Lippen das Glaubens-Abc neu zu buchstabieren: »Gott kann. Gott kann. Bei ihm ist kein Ding unmöglich.« Vgl. Daniel 3, 16-18; Psalm 66, 12.

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Samstag,5.April Lukas 1, 24. 25. 57-66.

Wie damals im Zelt Abrahams die alten Eltern fröhlich lachten und sich dankbar über die Geburt des Isaak freuten (1.Mose 17, 19; 21, 6; vgl. 1. Sam. 2, 1. 2), so herrschte auch im Hause des Zacharias übersprudelnde Freude, als die Eltern den kleinen Johannes in ihren Armen hielten. Ausdrücklich bekannten sich Zacharias und Elisabeth zum Wunderhandeln Gottes in ihrem Leben und zu seinem Plan mit ihrem Sohn: »Johannes ist sein Name.« Die Eltern bestanden darauf. »Johannes«, so stand es schließlich auf dem Wachstäfelchen des Zacharias. Eine kleine Tat. Aber genau die richtige. Nichts Besonderes, aber eine Tat mit besonderen Folgen: »Sein Mund wurde aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.« Der Herr, der die Zunge gelöst hat, der löst auch den Knoten des Unglaubens, wenn wir ihm nur all die wirren Fäden überließen! Zacharias wird sich eines Tages an den Kopf gegriffen haben: Wie konnte ich nur so dumm sein und meinem Gott misstrauen! In aller Stille wird er den Herrn um Vergebung gebeten haben. Der Glaube hat aber nicht nur eine Innen-, sondern auch eine Außenseite. Gott ist es wichtig, dass wir uns im richtigen Augenblick vor den Menschen zu seinem Willen bekennen. Ob unser Herz dann nicht aufleben und froh werden wird, dass wir wie Zacharias den Herrn mit »gelöster« Zunge ganz neu und glaubwürdig loben und ehren können? (Lies Ps. 9,2.3; 26, 7; 40, 10.11; 96, 1. 2; Röm.10, 10.11.) Unser Leben wird ein Spiegel von Gottes Treue und gnädiger Hilfe sein. Nichts anderes stand auf dem Wachstäfelchen des Priesters: »Johannes« – das heißt übersetzt »der Herr ist gnädig, der Herr begnadigt«. Dieser von Gott höchstpersönlich angeordnete Name verbirgt sein einzigartiges und weltumspannendes Rettungsprogramm, das Johannes seinen Zeitgenossen anbieten darf. Doch bevor Gott ihm diese wichtige Aufgabe anvertrauen konnte, musste Johannes sich dafür zubereiten lassen: »Das Kindlein wuchs und erstarkte im Geist und war in der Einöde bis zum Tag seines Auftretens vor Israel« (Luk.1,80).

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Sonntag, 6.April Lukas 1, 67-80. 3.

So bereitete Gott seinen Mitarbeiter vor

Von Anfang an war die gute Hand Gottes über der Familie des Zacharias. Aus Gottes Hand nahm das Ehepaar die langjährige Kinderlosigkeit; aus Gottes Hand die überraschende Wende des Geschicks und die Gottesgabe eines Sohnes. Unter der Hand Gottes sollte das Kind zum »Wegbereiter des Messias« heranwachsen (Luk. 1, 66). Dem entspricht der bewegende Lobgesang des Zacharias. Er verdeutlicht, in welcher Atmosphäre Johannes lebte und erzogen wurde. Das Lied des Zacharias strahlt Zuversicht und Glaubensstärke aus. Selber in der Vertrauensschule Gottes gereift, kann er seinen Sohn nach göttlichem Muster erziehen. Die Eltern werden für das Kind und mit ihm gebetet und gesungen, ihm immer wieder die Geschichte Gottes mit seinem Volk erzählt und erklärt haben. Wie oft mochten sie im Familienkreis über das Wort Gottes und die vielfältigen Hinweise auf den kommenden Messias und seinen Wegbereiter nachgedacht und gesprochen haben. (Vgl. Luk. 1, 39-56.) Wie viel Vertrauen zu Gott und zueinander, wie viel Freude und Freundlichkeit kann in einer Familie wachsen, wenn sie sich am Wort Gottes orientiert. (Lies 5.Mose 5, 32. 33; 6, 5-9; Ps.19, 8.9; 119,111.165; Jer.15,16; Neh. 8, 8-12; Kol.3,16.) Gottes Wort und das Gebet prägten das Leben des Johannes. Er wuchs nicht nur vom Kind zum Mann, sondern auch zu einem Mann Gottes heran. Eines Tages führte Gott ihn aus dem Familien- und Freundeskreis in die Einsamkeit der Judäischen Wüste. Es galt Abschied zu nehmen, Vertrautes, Sicherheiten loszulassen. Es kann nicht darum gehen, Beziehungen lieblos »abzuschneiden« und andere »ihrem Schicksal« zu überlassen, sondern es ist vielmehr unsere Aufgabe, uns in den kleinen und großen Entscheidungen von Gottes Geist beraten und führen zu lassen. Ich will mich aber auch fragen: Muss ich etwas zurückstellen, um Gott verfügbar zu sein? Ich werde dabei nur gewinnen: Philipper 3, 7-14; Psalm 31,4; 32, 8-11; 43,3; Sprüche 4,11.

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Montag, 7.April Lukas 1,80; 3,1.2; Galater1, 15-17.

In der Einsamkeit und Kargheit der Wüste Juda, jener unbewohnten Gegend am Westufer des Toten Meeres, lebte Johannes verborgen und den Augen der Weltöffentlichkeit entzogen. Wie einst Mose in den weiten, öden Steppen Midians für die »Mission des Exodus« vorbereitet wurde (2.Mose 2, 21-3, 10), so Johannes für die »Mission der Wegbereitung« und wenige Jahre später Paulus für die »Mission der Weltevangelisation«. (Vgl. Apg. 7, 29. 30; Gal. 1, 11-18.) In der Abgeschiedenheit der Wüste konnte Johannes heranreifen zum »Propheten des Höchsten« und zum »Wegbereiter« des Messias (Luk. 1, 76). So wichtig Erziehung und Bildung von Elternhaus, Schule und Hochschule sind, so sehr Gott Begabung und Ausbildung für die Mitarbeit in seinem Reich einsetzt (Dan. 1, 3-6; Apg. 7, 21. 22; Phil. 3, 5. 6), so unerlässlich ist die persönliche und ganze Hingabe des Mitarbeiters an Gott und seinen Willen. In der Stille und in der Abgeschiedenheit kann diese ungeteilte Hingabe eindeutiger und tiefer vollzogen werden als unter Hochspannung und im Hochbetrieb des Alltags. Je mehr die Augen der Welt auf uns gerichtet sind, desto mehr bedürfen wir der stillen Zweisamkeit mit unserem Gott und Herrn. »Aus der Gebetsecke heraus kann man getrost hintreten auf den Schauplatz der Öffentlichkeit. Die einsame, betende Beschäftigung mit dem Wort Gottes rüstet und stärkt zum Kampf. Da wird der Heilige Geist Lehrmeister, und ein besserer, als Menschen es sein können. Was dort gelernt wird, das kann ihm kein Teufel irremachen.« (F. Rienecker). Ich will mich prüfen: Stimmt in meinem Leben die Rangordnung, die Jesus lehrte und selber beachtete: Sammlung vor Sendung, Hören vor Wirken? Dazu Markus 1,35; 3,14; Lukas 10,39-42.

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Dienstag, 8.April Lukas 3, 1-3; 1.Könige 17, 1. 4.

Mit göttlicher Vollmacht im Beruf

Die Vorbereitungszeit zum »Propheten des Höchsten« schließt Gott selbst ab. Eines Tages kam das Startsignal: »Das Wort des Herrn geschah zu Johannes, dem Sohn des Zacharias.« Die Formulierung knüpft eng an die Berufung und Beauftragung der alttestamentlichen Propheten an. Zum Beispiel: Jona 1, 1. 2; Micha 1,1; Zefanja 1,1; Jeremia 1, 1-8; Hesekiel 1, 1-3; Haggai 1,1; Sacharja 1,1. Immer geht die Initiative von Gott aus, wenn er Menschen zum Dienst ermächtigt. Zwar gibt es auch Menschen, die sich selbst anpreisen und sich mit ihren Gaben wichtig machen (2. Kor. 10, 12; 3, 1; Röm. 12, 3), das aber haben Mitarbeiter Gottes nicht nötig. Es ist so entlastend zu wissen und zu erfahren: Gott ruft, begabt und bevollmächtigt. Er übernimmt die Führung und sorgt vollkommen für seinen Boten. Nie muss er sich selbst eine Tür öffnen. Das will der Herr für ihn tun. (Lies 1.Kor.16, 9; Kol. 4, 3; Offb.3, 8.) Johannes, der Sohn des Zacharias, ließ sich von Gott in Dienst nehmen. Ähnlich wie bei den alttestamentlichen Propheten ist der Ruf Gottes in eine ganz bestimmte Zeit und Stunde eingebunden. Gottes Anruf geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern ereignet sich in der Geschichte: Inzwischen regierte Kaiser Tiberius (14-37 n. Chr.) das Imperium Romanum. Sein »fünfzehntes Jahr« wird das Jahr 28/29 n. Chr. gewesen sein. Auch in Israel hatten die Machthaber gewechselt: Pontius Pilatus war seit 26 n.Chr. Prokurator von Judäa und Samarien; Herodes Antipas, ein Sohn von Herodes dem Großen, unterstanden Galiläa und Peräa (Ostjordanland), während sein Halbbruder Philippus Nordostpalästina regierte und ein gewisser Lysanias mit dem Gebiet zwischen dem Hermon und dem Oberlauf des Jordans betraut worden war. Als geistliche Führer der damaligen Judenschaft galten der sich im aktiven Ruhestand befindende Hohepriester Hannas und der amtierende Hohepriester Kaiphas, Schwiegersohn des Hannas. Die Wechselfälle des Lebens, Umbrüche oder auch Krisenzeiten sind neue Gelegenheiten, das Wort Gottes auszubreiten (Apg. 8,1. 4).

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Mittwoch, 9.April Lukas 3, 1-6; Matthäus 3, 1-6.

Die Zeiten damals hatten sich geändert, nicht aber das Wort Gottes. Die politische Lage war schwieriger geworden und dadurch viele Menschen im Volk angespannter, verletzbarer, ängstlicher, aber auch offen für das Reden Gottes. Damals kam Johannes »in die ganze Landschaft am Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden«. Als Mann Gottes, der seine Bibel kannte und liebte, wusste Johannes um die eigentliche Not des Menschen, um seine Sündenschuld vor Gott. Die einen sprechen von »Kavaliersdelikt«, andere von einem »Fehler« oder »Schwachpunkt«. Manche meinen: »Die wirklichen Sünder sind die Spötter und Betrüger, die Rücksichtslosen und eiskalten Straftäter. « Die Bibel aber zeigt uns die ganze Wahrheit: Sünde betrifft nicht nur ein paar besonders Boshafte. Sie ist auch nicht nur ein kleiner unsympathischer Fleck auf der sonst »weißen Weste«. Sünde ist die Selbst-Isolation des Menschen, der Zustand der Gottesferne, ist Leben gegen das Leben, neben dem Leben und am Leben vorbei. Eine Katastrophe ohnegleichen (Jes. 59, 2. 10-15)! Die Menschen aller Generationen sind von diesem Katastrophentod betroffen – ob sie es wissen oder nicht, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht. Gottes Wort sagt uns schonungslos die Wahrheit: 1.Mose 8, 21; Hiob 14, 4; Psalm 53, 4; Römer 3, 9-18. Johannes stellte sich dieser Wahrheit und machte sie unter den Menschen bekannt. Er schlug gewissermaßen Katastrophenalarm. Aber er zeigte auch den Weg zur Rettung aus der Isolation in die Gemeinschaft und Lebensqualität Gottes. Welch eine Chance, dem Katastrophentod zu entgehen! »Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1.Tim.2,4; vgl.Hes.33,10.11). Aber er zwingt seinen Willen niemandem auf. Es liegt an uns, ob wir uns retten lassen. Die persönliche Einwilligung in den Rettungswillen Gottes ist der »bereitete Weg«, der »gerade Weg«, auf dem Gott dem Menschen versöhnend entgegenkommt. Wie leuchtet da Micha 7,18.19 auf!

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Donnerstag, 10.April Lukas 3, 3-9; Johannes 3, 27. 5.

»Echter« Glaube kommt aus der »rechten« Verkündigung

Die Predigten des Johannes hatten es in sich! Die Menschen damals strömten in Scharen an den Jordan, standen oder saßen stundenlang im »Kirchenschiff« der Wüste und hörten intensiv zu. Sie ließen sich vom Wort Gottes treffen, entschlossen sich zu Gott zurückzukehren, baten um die Taufe, das sichtbare Zeichen und Zeugnis einer neuen Zugehörigkeit zu Gott, und wollten ihr Leben künftig am Willen Gottes orientieren. Könnten wir nicht ein bisschen neidisch sein auf die »volle Kirche« des Johannes? Doch schauen wir weiter! Es lohnt sich, darüber nachzudenken und davon zu lernen, wie Johannes Gottes Wort weitersagte. Seine Botschaft hat drei Kennzeichen:

Erstes Merkmal: Johannes verkündigte bibeltreu.

Das wird besonders deutlich in Lukas 3, 4-6 und Johannes 1, 29. Der Täufer kannte natürlich nur das Alte Testament, aber darin war er ganz zu Hause. Er muss sich viel Zeit zum Lesen und Nachdenken genommen haben. Kernworte der Bibel kannte er auswendig. Menschen, die Gottes Wort kennen, lieben und leben, haben ihren Mitmenschen Wesentliches zu sagen. Das Fundament der Verkündigung des Täufers bestand aus einer soliden Bibelkenntnis und dem ungekünstelten Vertrauen auf die Wahrheit und Zuverlässigkeit des biblischen Wortes. Wir dürfen dem Wort Gottes eine umfassende und tief greifende Wirkkraft zutrauen. Sein Wort kann wie ein Hammerschlag treffen und falsche Vorstellungen über Gott und die Welt, über den Nachbarn und das eigene Leben zerbrechen (Jer.23,29).Wenn Altes, Unwahres, Hässliches zerbricht, wird durch die Kraft des Wortes Gottes Neues wachsen (Jes. 43,19-21). Dann bekommen die Güte und Liebe Gottes, seine Klarheit und Freude immer mehr Raum in unserem Leben. Dazu Psalm 119, 105; 2. Petrus 1, 19. 20; 2. Timotheus 3, 15-17; Galater 5, 22.

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Freitag, 11.April Lukas 3, 7-9. 18.

Zweites Merkmal: Johannes verkündigte wahrheitsgetreu.

Wer die Menschen mit Gottes Augen sehen lernt, wer sie lieben will, wie Gott sie liebt, sagt ihnen, woran sie wirklich sind. Er kann die Wahrheit nicht verschweigen, nicht verbiegen und nicht verharmlosen. Johannes gebrauchte treffende und starke Worte wie »Schlangenbrut«, »künftiger Zorn«, »Steine«, »schon ist die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt«, »Feuer«: alles Ausdrücke und Formulierungen aus dem Umkreis der Gerichts- und Bußpredigt. Johannes sprach unmissverständlich davon, dass der Mensch, unabhängig von Herkunft, Bildung und Stellung, weder »Abraham« noch Gott zum Vater hat, sondern die »Schlange«, Satan, den großen Feind Gottes und der Menschen. (Vgl. 1.Mose 3; Matth. 12, 34; Joh. 8, 44.) Bei Gott entscheidet nicht die äußere Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe und nicht die Berufung auf »fromme« Traditionen darüber, ob ein Mensch »Sohn« oder »Tochter« seiner Familie ist, sondern die persönlich vollzogene Abkehr vom alten Leben und Hinkehr zu Gott. Ihm ist es möglich, aus steinharten, in Sünde oder Tradition erstarrten Menschen lebendige Gotteskinder zu erwecken. Wer jedoch keine persönliche Beziehung zu Gott will und lebt, geht dem sicheren Gerichtszorn Gottes entgegen: Er wird in der »Wurzel« seiner Existenz tödlich getroffen werden und in seinem innersten Lebensnerv absterben wie ein gefällter Baum, der nur noch fürs Feuer taugt. Wie gut, dass Johannes diese brennende Wahrheit beim Namen nannte! Denn wer den tiefen Ernst seiner Lage vor Gott kennt, wird offen für das große und ewige Heil, das er allen Menschen anbietet. So zielt die Verkündigung des Täufers auf Jesus, den »Heiland der Welt«. Jesus ist das Heil und die Menschenliebe Gottes in Person (Tit.3,4.5; 2.Tim.1,9; Joh.3,16-21).

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Samstag, 12.April Johannes 1, 29. 35. 36.

Drittes Merkmal: Johannes verkündigte christustreu.

Die wichtigste Frage, die jeder Menschen persönlich klären muss, lautet: »Was ist dir Jesus? Wer ist er für dich?« Viele wissen mit Jesus nichts anzufangen. »Gott ja! Aber Jesus?!« Johannes beantwortete diese Frage. Er kam zu ganzer Klarheit über Jesus. Er ist »das Lamm Gottes«. Mit diesem Bildwort erinnert der Täufer an die Befreiungsnacht Israels aus der ägyptischen Sklaverei: 2.Mose 12, 1-14. Jeder Türrahmen der israelitischen Häuser sollte mit dem Blut geschlachteter fehlerloser Lämmer gekennzeichnet sein. Dann würde der Gerichtsengel vorübergehen und die dem Tod geweihten ältesten Söhne verschonen. Außerdem sollte jede Familie in dieser Nacht die gebratenen Lämmer verzehren und dann schleunigst aus Ägypten aufbrechen. Ein ganz neues Leben konnte beginnen. Wenn Johannes Jesus als »Lamm Gottes« bezeichnet, weist er darauf hin, dass die in Sündenschuld versklavte Menschheit durch den Sühnetod Jesu vor dem ewigen Gerichtstod verschont und für das neue Leben mit Gott befreit wird. Wer ist Jesus? Er ist der komplett fehlerlose Stellvertreter, der an unserer Stelle die Gerichtsstrafe, die wir verdient haben, freiwillig auf sich nahm. Persönlich gesagt: Jesus stirbt für mich, an meiner Stelle, damit ich nicht in meiner Sünde bleiben und an ihr zugrunde gehen muss. Jesus ist Träger des Todesurteils und der Sünde. »Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt« (Jes.53, 5). In Hebräer 9, 11-15 und 1. Petrus 2, 22-25 erfahren wir noch mehr über das Geschenk der Erlösung durch Jesus, den Messias Gottes.

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Sonntag, 13.April Johannes 1, 15-18. 30-34.

Wer ist Jesus? Ein guter Mensch? Ein ideales Vorbild? Ein beeindruckender Prophet? In einer Zeit verwirrender Religionsvermischungen und ausgedünnter Bibelkenntnis können wir von der christustreuen Verkündigung des Johannes lernen: Jesus hat eine andere Geschichte als wir Menschen. Er ist der Sohn Gottes und war schon immer da. In der Ewigkeit vor der Zeit, bevor Gott Weltgeschichte setzte, war Jesus schon da. (Vgl. Joh.1,1. 2.) Jesus kommt also nicht wie jeder Mensch aus der Geschichte, sondern aus der Ewigkeit in die Geschichte. Als er zu uns in die Welt kam, wurde er durch die Kraft des Heiligen Geistes Mensch (Luk.1,35). Gott wurde Mensch, ein wirklicher Mensch. Aber Jesus gab seine Gottheit dabei nicht auf. Er ist »wahrer Gott und wahrer Mensch« in einer Person zugleich. Ein wunderbares Geheimnis! Obwohl Johannes mit Jesus verwandt war (Luk.1,36) und nur etwa ein halbes Jahr älter, hat er dieses Geheimnis Jesu zunächst nicht entdeckt. Zweimal bekennt der Täufer: »Ich kannte ihn nicht« (V. 31. 33). Bis Gott selbst ihm das Geheimnis erschloss: »Gott, der mir den Auftrag gab, mit Wasser zu taufen, hatte zu mir gesagt: Wenn du einen siehst, auf den sich der Geist niederlässt und bei dem er bleibt, dann weißt du: Das ist der, der mit dem Heiligen Geist tauft.« Als Jesus eines Tages zu Johannes an den Jordan kam (Matth.3,13-17), um sich taufen zu lassen, weil er von Anfang an zeigen wollte, dass er die Sünde der Menschen auf sich nehmen und wegtragen wollte, da gewann Johannes ganze Klarheit. »Dieser Mann ist Gottes Sohn.« Wie ermutigend für uns: Gott erwartet von seinen Leuten keinen Glaubens-Perfektionismus. Der Glaube ist wachstümlich, und Gott selber schenkt ein gesundes Wachstum. Er will, dass wir Jesus, »den Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebr.12, 2), immer besser kennen und lieben lernen (Phil. 3, 10. 11). Das können wir uns nicht oft genug wünschen: »Herr, lass mich in meinem kleinen Alltag dich und deine Herrlichkeit sehen« (Joh. 11, 40; 2.Kor. 4, 17. 18; 5, 7; 1. Petr. 1, 8; 1. Joh. 3, 1-3).

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Montag, 14.April Lukas 3, 15-18.

Die christustreue Verkündigung des Johannes zeigt noch eine besondere Seite, die uns fremd erscheinen mag: Dass Jesus für Johannes »der Stärkere« ist, von majestätischer Würde und göttlicher Hoheit durchdrungen, will uns einleuchten. Dass »der Christus« auch der »Geisttäufer« ist (V.15.16), können wir bestätigen (Joh. 7, 38. 39; 16, 7; Apg. 1, 5; 2, 1-4. 33). Aber dass Jesus mit seinem Kommen in die Welt schon jetzt eine endgültige Trennung zwischen den Kindern dieser Welt und den Kindern Gottes vornehmen werde, wie damals der Bauer mit seiner Worfschaufel in der Hand die Weizenkörner von den Spelzen trennte, das reibt sich mit dem Messias-Verständnis, wie es Jesus selbst seinen Zeitgenossen angeboten hat. Gewiss hat Jesus auch von seiner Richtergewalt, die er als messianischer Menschensohn innehat, gesprochen (Matth. 25, 31ff; Joh. 5, 26-29). Doch zunächst sah er seinen Auftrag darin, Schuldige zu entlasten, Kranke zu heilen, okkult Belastete zu befreien, Armen und Verachteten, Gebildeten und Reichen die herzliche Vater-Liebe Gottes vor Augen zu malen und sie alle in die befreiende Gegenwart Gottes einzuladen. Jesus ist nicht gekommen, die Menschen zu richten, sondern zu retten. (Lies Luk.19,10; 5,32; 1.Tim.1,15.) Dieses herrliche Evangelium sollte noch Füße bekommen, die um die ganze Welt laufen, um die gute Nachricht von »Christus, dem Retter« mit Herzen, Mund und Händen auszubreiten. So hat der Herr es am Ende seiner irdischen Dienstzeit angeordnet: Matthäus 28, 18-20; Apostelgeschichte 1, 8. Diesen missionarischen Weitblick besaß Johannes der Täufer noch nicht, auch wenn er die großen Prophetenworte wie etwa Jesaja 40, 5 und 42, 1. 6. 7 sehr gut kannte. Das wird den Täufer noch in eine tiefe Glaubenskrise stürzen. Auch die Gotteserkenntnis eines großen Propheten ist »Stückwerk« (1.Kor. 13, 9. 10). Dennoch: Gott gebrauchte Johannes, und er gebraucht auch uns trotz mancher Unvollkommenheiten zum Segen für viele Menschen.

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Dienstag, 15.April Lukas 3, 8-14; Jakobus 2, 17.

Wir fragten nach den Kennzeichen der Verkündigung des Johannes und sahen: Johannes verkündigte bibeltreu, wahrheitsgetreu und christusgemäß. Dabei war es dem Prediger in der Wüste sehr wichtig, dass sich diese Verkündigung im Alltagsleben zeigen wird und muss. Die Abkehr vom alten Leben und die Hinkehr zu einem neuen Leben mit und für Gott hat praktische Konsequenzen. Eine »bußfertige Stimmung«, »besondere Bußleistungen«, »unverblümte Begeisterung «, »gute Vorsätze« mögen ihren Platz haben, kennzeichnen aber nicht unbedingt ein Leben, das Gott gefällt. Ihm geht es um ein Leben, das »gute Früchte« trägt. »Bringt rechtschaffene Früchte der Buße« (V. 8), verkündigte Johannes. Es geht um die Gehorsamshaltung und Gehorsamstat quer durch alle Lebensbereiche aufgrund der erfahrenen Liebe und Güte Gottes. Wer selbst von der Liebe Gottes lebt, wird dieses unerschöpfliche Kapital für Notleidende aller Art »flüssig« machen. Konkret? Johannes gab seinen Zuhörern den seelsorgerlichen Rat: Wohlhabende, damals Menschen, die zwei Untergewänder und reichlich Lebensmittel besaßen, sollen freigebig für Mittellose sorgen. Die Zöllner, damals verschrien und verachtet als »Halsabschneider von Roms Gnaden«, sollen auf Rechtmäßigkeit und Selbstbescheidung achten. Die Soldaten, seinerzeit gefürchtet wegen ihrer Gewalttätigkeit und Besitzgier, sollen Zurückhaltung, Friedfertigkeit und Zufriedenheit lernen. Die Bußwilligen hatten also nicht gewisse Berufe aufzugeben, sondern gewisse Berufssünden! An jedem Arbeitsplatz, in jeder Position und Situation, in Familie, Freundschaft, Nachbarschaft und Gemeinde zählt »der Glaube, der durch die Liebe tätig ist« (Gal. 5, 6). Jesaja 58 und 1.Korinther 13, 1-7 enthalten viele praktische Anregungen.

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»FÜR MICH GINGST DU NACH GOLGATHA«

Mittwoch, 16.April Lukas 22, 19-28.

Zum letzten Mal hatte Jesus mit seinen Jüngern das Passa gefeiert (Luk.22, 7ff) und dabei das Abendmahl gestiftet. »Für euch gegeben. Für euch vergossen« (Luk. 22, 19. 20), das sind die großen Worte in dieser Feierstunde. Es war dem Herrn sehr wichtig, dass seine Jünger verstehen, was er aus tiefer Liebe zu ihnen für sie tun wird. Aber er spricht auch deutlich von den Angriffen Satans (V. 21. 22; vgl. Joh. 13, 21). Dass der große Feind Gottes sich eines Jüngers aus dem Zwölferkreis bedienen würde, lag nicht im Fragehorizont der Jünger. Verständlich, dass sie jetzt blass werden und sich bangen Herzens untereinander befragen, wer von ihnen den geliebten Meister verraten werde. Auf einmal wechselt die Farbe in ihren Gesichtern. Mit hochroten Köpfen streiten sie heftig miteinander. Das Thema liegt nahe: Worin besteht eigentlich die wahre Größe eines Jüngers Jesu? Sie hatten auch noch das Wort Jesu vom zukünftigen Reich Gottes im Ohr (V.18), und haben dabei »Karriere gewittert«: Wenn Jesus, der Messias Gottes, seine Herrschaft antritt, dann wollen sie mit ihm, sozusagen als seine Minister, regieren; vgl. Markus 10, 35ff. Dahinter steht doch zunächst einmal ganz positiv: Die Jünger wollen unter allen Umständen bei Jesus sein und bei ihm bleiben. Sie haben viel aufgegeben und mit ihm alles gewonnen. Solche Werte, solche Ewigkeitswerte, gibt man nicht kampflos auf! Interessant ist, dass Jesus in dem seelsorgerlichen Gespräch, das er jetzt führt, nicht kritisiert, dass seine Leute in seinem Reich und für den Bau seines Reiches Bedeutung begehren. Im Gegenteil: Er lobt die Treue seiner Jünger, die ihm sehr viel bedeutet: »Ihr seid’s, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen.« In jener hochkritischen Stunde (Joh. 6, 66-68) sind sie bei ihm geblieben. – Welch ein Glück: Jesus weiß unsere bescheidene Liebe und lückenhafte Treue zu schätzen, und er geizt nicht mit Anerkennung. Dazu Markus 12,42.43; Matthäus 25,21.23; Offenbarung 3, 8.10; 14,4.12.

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Donnerstag, 17.April Lukas 22, 24-30; Markus 10, 45.

So kindisch auch der Jüngerstreit um »Rang und Rangordnung« ist, so ernst nimmt Jesus, dass es den Seinen offensichtlich nicht egal ist, im Reich Gottes unter »ferner liefen« zu rangieren. Der Herr verspricht ihnen eine unglaublich große Zukunft (V. 29. 30). Jesu Jünger haben eine von Jesus persönlich geschenkte Bedeutung und Größe. Sie haben unabhängig von Leistung und Position eine echte Jesus-Größe. Darum sagt der Herr auch unmissverständlich, wie sich diese Größe zeigt und was nicht zu ihr passt. Dabei zielt er bei seiner Erklärung auf die innere Geisteshaltung des Jesus-Jüngers: In der Welt wird über die Menschen geherrscht, im Reich Gottes wird dem Menschen gedient. Dort die honorierte Dienstleistung, hier der Dienst als Geschenk. Dort die viel gerühmten »Wohltäter«, hier die »barmherzigen Samariter«. Dort die Großen, die sich bedienen lassen, hier die Größen, die einfach dienen – wie Jesus: »Ich bin unter euch wie ein Diener« (V. 27). Die Jünger wissen gut, wie Jesus ihnen noch vor wenigen Minuten gedient hat: Am eigenen Körper haben sie erfahren, dass er still und selbstverständlich die Drecksarbeit machte und ihnen vor Beginn der Mahlfeier die Füße wusch. Einfach aus Liebe (Joh.13, 1ff). Doch der Herr war nicht nur gekommen, die Füße zu reinigen, sondern das Leben, die Herzen der Sünder. Der sündige Konfliktstoff im Herzen der Menschen, auch im Herzen des Jüngers, hat Jesus den höchsten Dienst abverlangt, damit seine Leute befreit und dankbar dienen können. Der Jesus-Dienst an uns selbst befähigt uns zum Jesus-Dienst am Nächsten. Wo in der Jesus-Demut gedient wird, regiert die wohltuende Jesus-Größe. Was heißt das für mich persönlich und konkret?

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Karfreitag,18.April Lukas 23, 32-49; Römer 5, 8.

Allemöglichen Leute waren zurHinrichtungsstätte gekommen.Dawar dieMasse der Neugierigen (V. 35a). Vor ihren Augen spielte sich ein Drama ab. Aber es bleibt eine Sache des Kopfes. Und als alles vorbei war, gingen sie erschüttert nach Hause (V. 48). Aber das war’s dann auch. Eine andere Gruppe bildeten einige Vertreter aus Regierungs- und Kirchenkreisen (Sammelbegriff »die Oberen«). Rechthaberei und Starrköpfigkeit hatten sie stumpf und blind gemacht für das Heilandshandeln Jesu. Darum ist ihr »Wissen« über ihn (sozial engagierter Wohltäter) so unglaublich oberflächlich. Die römische Soldatentruppe tat ihre Pflicht und spielte spöttelnd mit dem »König der Juden« (V. 36- 38), während das Hinrichtungskommando sich an dem bisschen Materialwert, den der Sterbende hinterließ, bereicherte (V. 34 b). Eine vierte Gruppe: der Bekanntenkreis Jesu, Menschen, die sich auf Distanz hielten und erst mal abwarteten. Von ihnen hob sich allerdings die ängstlich besorgte Schar aus Galiläa ab (V. 49): die Jüngerinnen Jesu (Luk. 8, 1. 2). Aufs Ganze gesehen eine tief erschütternde Bilanz, die der Evangelist Lukas zieht. Nur zwei Personen ragen positiv aus der Masse heraus. Der eine ist ausgerechnet ein Verbrecher, der andere ein heidnischer Offizier. Sie haben’s voll und ganz geblickt. Lesen wir noch einmal die Verse 39-43. 47 und überlegen: Was mag in den Herzen dieser Menschen vorgegangen sein, dass sie sich persönlich und öffentlich zu Jesus, dem Sohn Gottes und Retter am Abgrund der Hölle, bekannten? Welche Rolle mögen die drei markanten Jesus-Worte dabei gespielt haben (V. 34. 43. 46)? Eins wird deutlich: Inmitten der Szenerie von Spott und Verachtung, roher Gewalt, kühler Distanzierung und ängstlicher Überlegungen erklingt bis heute der Vollmachtsruf und die Herzensbitte des Gekreuzigten: »Vater vergib!« Mitten im Tod ist er mein Leben. Mitten in Angst und Zweifel ist er meine Zuversicht. Mitten im Unrecht ist er mein Friede. Wer wollte da ernsthaft »neutral « bleiben? Der Prophet Jesaja bietet uns in Kapitel 53 echte Entscheidungshilfen an.

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Samstag, 19.April Lukas 23, 50-56.

Welch eine Persönlichkeit, dieser Josef: Ein Mann mit echtem Glaubens-Format. Ein Rats-Genosse mit Zivilcourage! Von den ängstlich besorgten Frauen, den sensibel gebliebenen Jüngerinnen Jesu, erfahren wir, dass sie sich auf keinen Fall von der Jesus-Nachfolge abzusetzen gedachten, sondern »irgendwie« bei Jesus bleiben wollten. Fragt sich nur »wie«? Sie taten erst einmal das Nächstliegende: Sie kümmerten sich um einen Teil der Bestattungsbräuche und begannen so mit einem kleinen Stück der vor ihnen liegenden großen Trauerarbeit. Wo aber steckten nur die Jünger Jesu? Bis auf Johannes hatten sie total abgehängt. Seit der Verleugnung Jesu durch Petrus (22, 54ff) befanden sie sich – außer dem Jünger Johannes – in einer zu Herzen gehenden Fluchtbewegung vor all dem Unbegreiflichen und Grausamen. Sie kamen einfach nicht mehr mit und verbarrikadierten sich von Angst gepeinigt hinter Schloss und Riegel. Ein düsteres, trostloses Bild. Ein toter Jesus ist wirklich eine Katastrophe. Aber sie hatten doch von ihm persönlich gehört, dass ihr Meister nicht im Tod bleiben würde. Richtig. Nur: Auch das richtige Wissen will im Vertrauen auf Gottes unbegrenzte Macht ergriffen werden. Wie gut, dass der Gekreuzigte selbst »vorgesorgt « und sich für all die Ängstlichen, Zweifelnden, für die Untröstlichen und verzagten Versager – in die Hände des Vaters gelegt hatte. So gibt es ein Durchkommen durch den schwarzen Tunnel der Angst, der Einsamkeit und Schuld. Niemand ist zum Untergang verurteilt. Durch sein Leiden und Sterben für uns alle liebte Jesus uns durch die harte Mauer des Todes hindurch in den Frieden mit Gott und in die Herrlichkeit des ewigen Lebens bei Gott. Sag doch einfach: »Danke, Herr Jesus. Hier bin ich. Rette du auch mich hindurch.« Über 1.Petrus 2, 24 und Römer 8,38.39 will ich mich heute freuen.

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Ostersonntag, 20.April Lukas 24, 1-12; Johannes 11, 25.26. 40.

Ostern ist der Überraschungstag Gottes. Die Hölle zittert. Der Himmel feiert (1. Kor. 15, 54-57). Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden! »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?«, dieser zupackenden Frage müssen sich die Frauen stellen. Sie hatten wundersame Zeichen vor Augen – weggewälzter Stein, leere Totengruft – und dadurch – ein neues Problem. In die große Ratlosigkeit treten zwei Engelboten Gottes. Was tun sie? Sie fragen – vergewissern – erinnern. Die Gottesboten erinnern die Ratlosen nicht an die machtvollen Taten des Herrn, sondern an sein Wort. Wiederholt hatte er es seinen Jüngern eingeprägt, und jetzt hatte es sich erfüllt. Die Frauen lassen sich gewinnen: »Und sie gedachten an seine Worte.« Sie befassten sich mit dem Wort des Sohnes Gottes, dachten darüber nach und machten sich auf den Weg, von Ehrfurcht und großer Freude bewegt (Matth. 28, 7. 8). Ein Doppeltes wird hier deutlich: Zeichen sind mehrdeutig, Gottes Wort ist eindeutig. Wundersame Zeichen müssen nicht zum Glauben bringen (vgl. Mark.6,52; 9,19; 16,14), das Wort Gottes aber hat Glauben weckende und Glauben stärkende Kraft in sich selbst. Wichtig ist allerdings, dass wir uns auf sein Wort einlassen, dass wir es ernst nehmen, darüber nachdenken und es im Herzen bewahren. Wer bereit wird, sich an das göttliche Wort zu binden, dem wird eine Neubegegnung mit Jesus geschenkt. Die Frauen haben ihn leibhaftig gesehen (Matth.28,9; Joh.11, 11-18), und wir dürfen Jesus mit den Augen des Herzens sehen, aber nicht weniger wirklich. Machen wir uns getrost auf den Weg zu den Traurigen und Verzagten. Die Apostel konnten’s zuerst nicht fassen: Frauen-Logik, Geschwätz, dummes Zeug . . . ! – Gebt ihnen Zeit. Es wird noch eine Weile dauern, bis sie sich aus ihrer Mutlosigkeit und Angst in ein Leben mit dem Auferstandenen mitnehmen lassen; aber es wird. »Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss« (Ps.33,4; vgl. Luk.5, 5-7; Matth.24,35).

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Ostermontag, 21.April Lukas 24,13-35.

Nur Lukas erzählt diese ausführlichste aller Ostergeschichten, die zeigt, wie der zunächst noch fortwirkende Unglaube (V. 22-24) Schritt für Schritt überwunden wird. Wie geschah das? Im Gespräch mit dem unerkannten Reisebegleiter kommen gravierende Irrtümer ans Licht. Der Grund für Unverständnis und Unglauben ist erstens ein falsches Jesusbild: Jesus – ein Prophet (V. 19), aber nicht Gottes Sohn. Zweitens ein falsches Heilsverständnis: Jesus, der politische Befreiung für das Volk bringt (V. 21), aber nicht Vergebung der Sünde für alle Welt. Drittens: Unkenntnis des Willens und somit des Weges Gottes (V.25), wie ihn die alttestamentlichen Propheten vom kommenden Messias dargelegt hatten. Falsche Erwartungen führen zu falschen Gedanken und verschlossenem Herzen. Ein »Beweise« suchender Glaube, ein Glaube, der beim leeren Grab bleibt (V. 22-24), wird auslaufen und verhärten. Lebendiger Oster-Glaube wird geweckt und genährt durch das Wort Gottes in der persönlichen Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Dieser legte in ihre Herzen gleichsam einen Feuerbrand (V. 32) durch eine christuszentrierte Auslegung des Alten Testaments und schenkte sich ihnen im Gemeinschaftsmahl. »Über der Auslegung der Bibel und über der Gemeinschaft an seinem Tisch – denn der Geladene wird plötzlich zum Gastgeber – geschieht es: Sie erkennen ihn (V. 31. 35). So stellt er bis heute durch das Wort und durch das Mahl die Gemeinschaft mit sich her« (H. Egelkraut). Wird es uns noch warm ums Herz, wenn wir die Bibel lesen und mit unserem auferstandenen Herrn im Gespräch sind? Kennen wir das unbefangene Glück der Herzensgemeinschaft mit Jesus? (Vgl. Matth.17,7.8; Phil. 3, 10-14.) Der Auferstandene kann und will die Liebe zu ihm reinigen, erneuern, vertiefen.

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BESTÄNDIGE FREUDE (Philipper 4, 4-11)

Dienstag, 22.April Philipper 4, 4-6; Psalm 55, 23.

»Freuet euch in dem Herrn allewege!« Der Apostel Paulus schrieb an die Christen in Philippi wiederholt von Freude. Er betete für die Philipper »mit Freuden«. Er freute sich, dass das Evangelium verkündigt wurde, auch wenn das Motiv mancher Verkündiger nicht die lautere Liebe zu Jesus Christus war. »Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise . . . so freue ich mich darüber« (Phil. 1, 4. 15-18; 2, 17. 18). Nun schreibt Paulus, die Glaubenden sollten sich »allewege, allezeit« freuen. Nicht die schwierigen Umstände müssen sie bestimmen, sondern die Freude »in dem Herrn«. »Über diese einmalige Freude sollten wir als Christen nachdenken. Die Aufforderung: ›Freut euch in dem Herrn allewege!‹ ist nicht so zu verstehen: Freut euch im Glück, freut euch in der Not, freut euch in der Arbeit, freut euch in der Trauer, sondern: im Glück, in der Not, bei der Arbeit und in der Trauer ›freut euch im Herrn‹! Die unversiegbare Quelle der Freude liegt in dem, was Jesus Christus für uns getan hat und noch tut. (Lies Luk.10,20; 1.Petr.1, 3-9.) Wo Jesus Christus der Lebensinhalt ist, lassen sich die Höhen und Tiefen unseres Lebens sinnvoll bewältigen. Wir stehen in unseren Tagen allerdings in Gefahr, nicht allein in den Tiefen unsere Freude am Herrn zu verlieren, sondern auch, wenn wir uns unsere Freude von den Dingen dieser vergänglichen Welt, vom ›Irdischen‹ geben lassen. « (P.Murdoch). (Lies 1. Joh. 2, 15-17; Ps. 73, 28.) – Die Freude »in dem Herrn« wirkt sich aus: »Lasst eure Lindigkeit kund sein allen Menschen!« Die Auswirkung der Jesus-Liebe im täglichen Umgang mit den Menschen ist etwas Überraschendes und Erfrischendes. »Solche Liebe gleicht der Sonne, die Eis zum Schmelzen bringt« (H. Lamparter).

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Mittwoch, 23.April Philipper 4, 5; Epheser 5, 8. 9.

»Freut euch in dem Herrn allezeit, und abermals sage ich euch: Freut euch! Eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen.« Beide Aufrufe, zur Freude und zur Lindigkeit, gehören eng zusammen. Freude, die wir für uns allein haben wollen, verzehrt sich schnell. Echte Freude will sich mitteilen: Darum suchen wir nach jemandem, wenn wir eine freudige Nachricht erhalten haben. Es fällt uns dann auch nicht schwer, anderen mit Lindigkeit zu begegnen. Wenn das eigene Herz jedoch mit Bitterkeit erfüllt ist, dann ist die Quelle verstopft, aus der Milde und Güte fließen können. »Lindigkeit« kann man umschreiben mit Gütigkeit, Freundlichkeit, mit liebevoller Rücksichtnahme. Wie schwer das Leben für Christen in Philippi auch sein mochte, den anderen Menschen gegenüber sollten sie ein empfindsames Herz haben und zeigen. An ihnen sollte man erkennen: Da sind Menschen, die von der Freude an Jesus gepackt sind und sie auch ihrer Umgebung mitteilen. (Lies Spr.13,9a; Matth.5,14-16; Luk.10,33-37.) Es gibt viele bedürftige und verwundete Menschen in unseren Tagen. Freundlichkeit, Entgegenkommen, Großherzigkeit tut so wohl, da können Wunden heilen, zumindest werden Schmerzen gelindert. Wenn wir auch nicht alle Nöte beheben können, so sollten wir doch die Möglichkeiten nutzen, die sich uns bieten. »Vergesst nicht, anderen wohlzutun!« An seinen Freund Gajus schreibt der Apostel Johannes: »Du tust wohl daran, wenn du sie« – die fremden Brüder – »auch jetzt wieder freundlich aufnimmst und zur Weiterreise ausrüstest, wie es der Würde unseres Gottes entspricht« (Hebr. 13, 16; 3. Joh. 5. 6). Segen gehe von euch aus! Ihr seid ja dazu berufen, göttliche Segnungen zu empfangen und weiterzugeben. In der frohen Gewissheit, »der Herr ist nahe«, werden wir zum Handeln ermutigt, weil wir eine Verantwortung tragen für die, die Christus noch fern sind. (Lies 1.Mose 12,2; Spr.11,25; 1. Petr.4, 8-10.)

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Donnerstag, 24.April Philipper 4, 6; Psalm 34, 9. 10.

Hier spricht Paulus ein Thema an, das bis heute an Aktualität nichts verloren hat: das Sorgen. Gleichzeitig wird uns ein Weg eröffnet, wie Sorgen zu überwinden sind: »Sorgt um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!« Sorgen können uns sehr hart bedrängen, zermürben und innerlich aushöhlen, sodass unser Blick getrübt ist. Jesus aber will, dass wir unseren Blick zu ihm erheben und vertrauend durch unsere Tage gehen. Wer könnte besser für uns sorgen als er, der uns kennt und liebt? Er hält unser Leben in seiner Hand, seiner Fürsorge können wir uns getrost anvertrauen und alle unsere Sorgen bewusst loslassen. »Der Herr richte eure Herzen auf die große Liebe, mit der Gott uns liebt, und auf die Ausdauer, mit der Jesus Christus für uns besorgt ist« (2.Thess.3,5; lies Matth. 6, 32. 34; 1. Petr. 5, 7; Ps. 37, 3-5; 57, 3; 62, 6-9). »Sorgt um nichts!« Gilt das wirklich für alle Probleme? Für die täglichen kleinen Herausforderungen und für die Ängste dieser Welt, in der wir leben? Viele Menschen leiden unter Zukunftsangst. »Alle eure Sorgen werft auf den Herrn, denn er ist besorgt für euch!« Der englische Evangelist Spurgeon gebrauchte im Blick auf das Sorgen ein treffendes Bild: »Es ist bei vielen Menschen wie mit Kindern, die Ball spielen. Sie werfen den Ball gegen die Wand, er kommt zurück, und sie fangen ihn wieder auf. So machen sie es mit den Sorgen. Sie werfen sie weg und nehmen sie dann doch wieder auf, anstatt zu sagen: Wenn ich sie dem Herrn ausdrücklich übergeben habe, dann nehme ich sie nicht mehr zurück, dann ist er jetzt der Verantwortliche und nicht mehr ich. Auch meine größte Sorge ist ja ein Winzling gegenüber dem allmächtigen Gott.« (Lies Ps. 55, 23; Jes. 40, 26-31.)

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Freitag, 25.April Philipper 4, 6; Psalm 55, 17-19.

»Sorgt euch um nichts!« Das beste Heilmittel gegen die Sorgen ist das Gebet! »In allen Dingen lasst eure Anliegen durch Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden.« Die Heilung geschieht meist nicht von selbst, auch nicht dadurch, dass wir versuchen, unsere Sorgen zu ignorieren oder zu verdrängen. Dora Rappard schrieb einmal: »Hast du eine Sorgenlast, die dir raubet Fried und Rast: Jesu Herz dir offen steht, mach aus Sorgen ein Gebet.« Damit rät sie: Schau zuerst und immer neu auf Jesus! Sprich mit ihm über alles, was dich so bedrängt. Erwarte in allen Dingen sein Eingreifen. Du wirst erfahren, dass er dich mit dem beschenkt, was du nötig hast. – »Jesus lädt uns zu einem ungewöhnlichen Lebensstil ein: zum ruhigen Vertrauen auf Gottes Güte und Fürsorge. Wenn uns erst einmal aufgegangen ist, wie viel ihm an uns liegt, entdecken wir die Spuren seiner Güte in allen Bereichen unseres Lebens. Wir sind umsorgt« (Chr. Morgner). (Lies Klagel. 2, 18. 19; 3, 22-26.) Wie wir uns um nichts sorgen müssen, so können wir auf allerlei Weise mit Gott reden: mit Bitten in Gebet und Flehen, mit Danksagung verbunden. Warum werden hier verschiedene Arten des Betens genannt? Weil unsere Umstände es erfordern. Unsere Bitten sprechen wir im Bittgebet vor Jesus aus. Das Flehen ist die verstärkte Form des Betens, es ist ein Ringen mit Gott, ein dringliches Rufen aus einer bedrängten Notlage heraus. Gottes Wort verspricht nicht, dass jede Bitte sofort erhört wird oder dass jeder Wunsch, den wir vor dem Herrn ausgesprochen haben, sofort erfüllt wird. Doch wenn wir unsere Kümmernisse mit Danksagung vor Jesus bringen, vertrauen wir ihm, dass er es recht macht. Und er kann seinen Frieden in unser unruhiges Herz geben, sodass wir im Warten getrost und still werden. »Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige mein Heil« (Ps. 50, 15. 23; l03, 1. 2; lies Dan. 6, 11; Jer. 32,17-19.26.27).

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Samstag, 26.April Philipper 4, 7; Hebräer 13,20.21.

»Der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, bewahre eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus.« Gott, der den Namen »Gott des Friedens« trägt, will uns mit seinem Frieden beschenken. Paulus wünschte den Christen in Rom: »Der Gott des Friedens sei mit euch!« Am Schluss des 2. Korintherbriefes schrieb er den Zuspruch: »Haltet Frieden! So wird der Gott des Friedens mit euch sein.« Mit seinem Frieden möchte Gott unser Herz und unser Denken erfüllen. Was wir in unseren Gedanken bewegen, ist ausschlaggebend, denn im Denken wurzeln unsere Pläne, Entschlüsse und wurzelt unser Handeln. Wenn der Friedefürst (Jes.9, 5) unsere Überlegungen bestimmen darf, werden wir den Frieden erleben. »Der Herr wird seinem Volk Kraft geben; der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden« (Ps.29,11; lies Luk.1,78.79; Röm.16,20). »Der Friede des Christus regiere in euren Herzen.« Das meint: Der Friede unseres Herrn Jesus ist höher, er verstopft alle Giftquellen wie Misstrauen, Empfindlichkeit, Neid, Rechthaberei, Stolz . . . Streit und Entzweiung finden keinen Raum zur Entfaltung, man sucht die Versöhnung, ist bereit, um Vergebung zu bitten oder sie zu gewähren. Auch scheinbar unüberwindliche, trennende Wände werden aufgebrochen und beseitigt. Der Friede unseres Herrn Jesus ist nicht nur dem Einzelnen persönlich geschenkt, er will die ganze Gruppe, in der wir leben, erfassen, sei es die Familie oder die Gemeinde. Wenn der Friede des Christus unser Herz bewahrt, dann erfüllt sich der Auftrag, den Jesus-Nachfolger haben: »Wandelt würdig der Berufung, zu der ihr berufen seid, sodass ihr in aller Demut und Sanftmut mit Geduld einander in Liebe ertragt und fleißig seid, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens« (Eph. 4, 2. 3; lies Hebr. 12, 14; 2.Tim. 2, 22).

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Sonntag, 27.April Philipper 4, 8. 9; 1.Thessalonicher 5, 21-23.

Wie in einer Zusammenfassung bringt Paulus auf den Punkt, womit sich unsere Gedanken beschäftigen sollten: »Übrigens, Brüder – Schwestern – alles, was wahr ist . . . dem denkt nach.« Unser Leben mit dem Herrn beginnt im Innern und prägt unser äußeres Verhalten, sodass wir Jesus immer ähnlicher werden. Es ist von entscheidender Bedeutung, worauf wir unsere Gedanken richten und von wem wir lernen. Unsere Gedankenwelt ist in besonderer Weise gefährdet. Paulus stellt sich diesem Maßstab persönlich. Und er zeigt uns darin den Weg für unsere persönliche Heiligung, wenn er mit den Worten schließt: »Dem denkt nach – darauf seid bedacht!« Wir wollen einigen Aussagen nachgehen. · »Alles, was wahrhaftig ist!« Der Wahrheit stehen Lüge und Falschheit entge- gen. Sind wir wahr im Reden, klar, durchsichtig? DieWahrheit gehört zurWaffenrüstung eines geistlichen Kämpfers (Eph.6,14; Sach.8,16.17;Mal.2,6). · »Alles, was ehrbar ist!« – d.h. achtungsvoll, tadellos, einwandfrei, unangreifbar. Das Gegenteil wäre: anstößig, unbeherrscht, taktlos und respektlos handeln. Zwei herausragende Beispiele sind Daniel und Stephanus (Dan.6,4; Apg.6, 3). · »Alles, was gerecht ist!« – Der unbestechliche Umgang mit anderen, der Schutz des Schwächeren ist uns aufgetragen. Niemandem soll Unrecht geschehen (5.Mose 16,20; 2.Sam.23,3.4). · »Alles, was rein ist!« – Auch Christen sind versuchliche Menschen und gefährdet, in Sünde, auch in sexuelle Sünden, zu fallen. Die Phantasie bedarf der Bewahrung vor Unreinheit. Jesus will unsere Gedanken mit dem ausfüllen, was rein und heilig ist. »Wer Reinheit desHerzens liebt, dessen Freund ist der König« (Spr.22,11; lies Ps.24,3-5;Matth.5,8).

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Montag, 28.April Philipper 4,9; 1.Korinther 4,16.17.

Paulus sieht es als selbstverständlich an, dass Erkanntes umgesetzt und praktisch wird. »Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut.« Er war sich klar bewusst, dass er Vorbild ist und dass sowohl die Glaubenden als auch alle anderen Menschen ein Recht darauf hatten, die verkündigte Botschaft an ihm zu sehen. »Seid meine Nachahmer, wie ich der Nachahmer von Christus bin. Folgt meinem Beispiel« (1. Kor. 11, 1). Sein Beispiel wirkte als Einladung, als Aufforderung. – Wir wollen es uns heute neu in Erinnerung rufen, dass unser Leben lauter spricht als alle Worte. Für die Menschen, unter denen wir leben, ist vielfach unsere Lebensweise ausschlaggebend, dass sie nach Jesus fragen und ihn suchen. Wie oft hören wir in Zeugnissen: »Das Leben meines Vaters, meiner Mutter, meines Freundes, meines Kollegen hat mich beeindruckt, damit kam die Wende in mein Leben.« (Lies 1. Thess. 1, 6-8; Matth. 5, 14-16.) Bei einer Konferenz sprach ein Redner über das Vorbild des Lehrers. »Wir sind nicht alle Lehrer, aber es gilt eigentlich alles genauso für uns, die wir mit Menschen zusammenleben. Sie hören unsere Worte, sie sehen unser Leben! Du bist ein Vorbild, ob es dir passt oder nicht. Du musst auch bewusst Vorbild sein wollen!« Paulus konnte sagen: »Folgt meinem Beispiel. – Folgt mir nach, liebe Brüder; und seht auch auf die, die ebenso leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.« (Lies Phil. 3, 15-17; Tit. 2, 7. 8; 1. Petr. 5, 2. 3.) An Timotheus schreibt er: »Niemand verachte dich wegen deiner Jugend . . . Du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit der Lebensführung« (1.Tim.4,12-16).

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Dienstag, 29.April Philipper 4, 10-12; 1. Chronik 29, 9.

Nun bekommt der Brief einen persönlichen Ton. Paulus schreibt von einem besonderen Ereignis, das ihn zutiefst bewegt hat: »Ich bin hocherfreut in dem Herrn, dass ihr wieder eifrig geworden seid, für mich zu sorgen. Darauf seid ihr zwar immer bedacht gewesen, aber eure Lage erlaubte euch nicht, etwas für mich zu tun.« Nicht aus mangelndem Interesse am Ergehen des Apostels oder aus einer gewissen Nachlässigkeit heraus war die Unterstützung der Philipper ausgeblieben. Ihnen fehlte die Gelegenheit, Paulus in dem weit entfernten Rom aufzusuchen. Doch als die Situation sich änderte, waren sie mit ihrer Hilfsbereitschaft zur Stelle. Epaphroditus überbrachte ihm eine Gabe. Für Paulus war es ein sichtbarer Beweis dafür, dass sich die herzliche Beziehung zwischen ihm und den Gläubigen in Philippi nicht verändert hatte. Dieses erneute Zeichen ihrer Liebe und Fürsorge erfreute sein Herz. (Lies 2.Kor. 8, 1-5; 2.Sam.17, 27-29; Apg.28,15.) Paulus aber hatte in der Zwischenzeit eine wichtige Lektion zu lernen: »Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht.« Genügsam und zufrieden zu sein scheint nicht mehr zu unserem Lebensstandard in Westeuropa zu passen. Unsere Zeit ist viel mehr davon bestimmt, alles haben zu wollen und haben zu müssen, und zwar möglichst sofort. Wenn wir Jesus nachfolgen, ist es gut, den Lernprozess der Zufriedenheit auf uns zu nehmen. Vielleicht sollten wir uns einigen konkreten Fragen stellen: Bin ich damit zufrieden, wie Gott mich geführt, welche Aufgaben er mir übertragen hat? Bin ich dankbar für meinem Arbeitsplatz? Genügt mir das, was ich habe, die Freiheit, in der ich lebe? Begnüge ich mich mit dem Erfolg, den ich sehen kann, der Anerkennung, die mir entgegengebracht wird? Könnte ich mit Paulus sprechen: »Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht«? (Lies Jer. 45, 5a; 1.Tim. 6, 6-10.)

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Mittwoch, 30.April Philipper 4, 10-13; Psalm 36, 8-10.

Paulus war kein Idealist, er besaß auch nicht übermenschliche Kräfte, dass er von sich aus sagen konnte: »Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wir mir’s auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein. Mir ist alles vertraut: beides, satt sein und hungern, im Überfluss leben und Mangel leiden.« Das Geheimnis seiner Zufriedenheit lag nicht in ihm selber. Wenn er sagt: »Ich kann. . . ich kann. . . «, ergänzt er diese Worte mit dem Hinweis auf Christus. Er war es, der ihn dazu befähigte. »Ich kann alles durch den, der mich stark macht, Christus.« »Nur wer mit Paulus seine Kraft aus dieser Quelle schöpft, der geht durch Ehre und Schande, durch Armut und Reichtum, durch Fülle und Entbehrung frei hindurch« (H. Lamparter). Bis wir zur echten Zufriedenheit gelangen, geht auch bei uns Christen ein langer Lernprozess voraus. Wie schnell macht sich Unzufriedenheit breit, wenn man sich übervorteilt oder nicht genügend beachtet fühlt, wenn man sich mit anderen vergleicht, die es äußerlich scheinbar leichter und besser haben. Paulus hat gelernt. Zufriedenheit ist lernbar! Mit Jesus kann man sie lernen. Wem Jesus wichtig geworden ist, dem wird vieles andere unwichtig. Denn die Liebe unseres Herrn Jesus macht andere Mängel unbedeutend. Vor allem ändern sich die Prioritäten, wie Paulus es ausdrückt: »Was mir Gewinn war, habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich erachte alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis von Jesus Christus, meinem Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne« (Phil. 3, 7. 8; lies Joh. 6, 68. 69; 10, 11; Ps. 16, 2. 5. 6; 73, 25. 26).

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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